„Was das wohl wieder kostet!“

Januar 2018 und Kuraufenthalt in Herz-Kreislaufzentrum Groß-Gerungs. Bei der Bewegungstherapie hatten wir uns kleine Gewichte um die Handgelenke gebunden und vollzogen so alle möglichen Bewegungen. Unter anderem auch mit gefalteten Händen. Bei mir geht sowas nicht ohne Witze und dumme Bemerkungen: „Ja, das ist wichtig beim Leistungs- und Wettbeten im Sonntagsgottesdienst!“ und am meisten lachte mein Vis a Vis. Von irgendwo kannte ich ihn, doch wollte es mir partout nicht einfallen. Nach der Gymnastik kamen wir ins Gespräch. Er stellte sich als Joachim vor, war um einiges älter als ich und ließ erkennen, dass er Seelsorger war oder ist. Bei mir war noch immer nicht der Groschen gefallen, doch mit Internet-Unterstützung fand ich bald die Lösung: Das war der ehemalige Abt Angerer vom Stift Geras, Pernegg etc. Aber der müsste doch eigentlich viel älter sein! War er auch, doch sah er eben jünger aus.

Am Nachmittag war Wandern angesagt, doch war es eigentlich nur ein Spaziergang. „Hab dich im Internet gefunden und hab‘s nicht glauben können, weil du doch eigentlich viel älter sein müsstest.“ Aber er war es wirklich und von nun an haben wir bei diesen Spaziergängen oft und viel miteinander geredet. Natürlich über „Gott und die Welt“, denn ich bin nicht nur aktiver Christ, sondern auch Laienprediger in der evangelischen Kirche. Unsere Gespräche waren aber weniger theologischer Natur, sondern es ging dabei um so viele Dinge, die wir erlebt und erfahren hatten und er hatte da vor allem einen Riesenvorrat an kulturhistorischen Themen. So verging bei unseren Spaziergängen die Zeit wie im Flug.

Ich wusste, dass sich Joachim in seiner aktiven Zeit wiederholt durch kritische Äußerungen den Zorn und Unmut der eigenen Kirche zugezogen hatte und auch versuchte ich, das heikle Thema einer angemessenen Wirtschaftsgebarung und sparsamen Mittelverwendung auszuklammern. Doch er selbst war es, der darüber zu reden begann. Es ging um den angeblich sündteuren Umbau der Amtsgebäude im Bistum Limburg, der kurz zuvor viel Staub aufgewirbelt hatte. Zur Gebarung glaubte ich der Kritik, doch das Projekt selbst fand ich architektonisch überaus ansprechend und gelungen. Joachim gab mir daraufhin eine von ihm selbst verfasste Beschreibung „seiner“ Kirche in Eibenstein: Ein anscheinend mit viel Liebe zum Detail und einfühlsamer Fachkompetenz gestaltetes Objekt. „Was wird das alles wohl wieder gekostet haben!“ werden Kritiker dieser Zeit einwenden. Die vielen Generationen nach uns, werden sich jedoch an solchen Werken noch lang erfreuen dürfen. Dann allerdings fragt niemand mehr, was uns das damals einmal wert war.

© Nikolaus-Gronau