Was schnell gehen soll, ist oft sauteuer

Wir hatten das Innere unseres 250 Jahre alten Hauses ziemlich verändert: Der Ziegenstall war zu einem richtigen Bad umgebaut worden, anstelle der »Rauchkuchl« stand nun ein neuer Rauchfang, eine Gastherme war installiert und ein zeitgemäßes Klo sollte endlich das alte Plumsklo ablösen. Was fehlte war ein Stiegenaufgang für den Fall, dass der Dachboden ausgebaut werden sollte.

„Servas, ist schon teuer!“ meinte auch Pavel, einer unserer beiden tschechischen Mieter, als ich ihm den Kostenvoranschlag für die Stiege zeigte. Bei uns im Haus gibt es zwei Wohnungen und da wir die zweite nicht brauchten und der Baumeister im Dorf Quartiere suchte, vermieteten wir diese seit 1991: Pavel und František haben bis zu ihrer Pensionierung fast 25 Jahre lang bei uns gewohnt und wir hatten uns bald angefreundet.

Pavel meinte, er werde daheim fragen. Wenige Wochen später besprachen wir in einem Dorf in der Nähe von Temelin die Sache mit einem Tischlermeister. Der Betrieb machte auf mich einen sehr guten Eindruck und der Chef sprach fließend Deutsch. Er sah sich meine Planungsskizze an und war interessiert. Er schlug eine Planungsänderung vor, weil so die Stiege flacher werden konnte. Gute Idee. Nach einer Überschlagsrechnung nannte er einen unverbindlichen Preis und ich war erstaunt: Er war deutlich niedriger als das heimische Angebot für eine Weichholzstiege und ich war vollkommen perplex, als er meinte, seine Stiege würde selbstverständlich aus Eichenholz gemacht. Vorher wollte er sich alles bei uns vor Ort ansehen und er werde dann ein verbindliches Angebot legen. Nach einer weiteren Woche war der Auftrag unter Dach und Fach.

Lediglich beim Zeitpunkt der Fertigstellung war sich der Chef unsicher, doch da konnten wir ihm entgegenkommen. Ich sagte, er soll den Auftrag dann erledigen, wenn er und seine Leute Zeit und Lust hätten. „Ohne weiteres können wir zwei Jahre warten.“ Dieses Entgegenkommen nahm er dankbar an und wir verabschiedeten uns.

Dann die Überraschung: Nach nur vier Monaten erhielt ich den Anruf, dass die Stiege fertig sei und aufgestellt werden könne. Wir vereinbarten einen Termin und innerhalb von zwei Tagen waren die Arbeiten fertig. „Weshalb haben Sie sich denn so beeilt?“ wollte ich wissen. „Ganz einfach“ so seine Antwort „… wir hatten einen Auftrag mit –zig Fenstern und Türen abgeschlossen und eigentlich wäre jetzt ein weiter Fenster-Auftrag an der Reihe gewesen. Als ich das zu meinen Leuten sagte, machten die lange Gesichter. »Gibt es nichts anderes? « wollten sie wissen und da hab ich Deine Stiege erwähnt. »Oh ja, machen wir jetzt eine Stiege!«“ Irgendwie verständlich und nachvollziehbar. So sind wir in kurzer Zeit zu unserer Stiege gekommen: Solide und perfekt steht sie im Stiegenhaus, so schön wie ein Möbelstück.

Was lernen wir daraus? Was schnell gehen muss, ist jedenfalls kostspielig. Wenn man sich und anderen jedoch Zeit lässt, ist es oft preiswerter und wird mit Liebe erledigt. »Děkuji, pane Fuchsi!«

© Nikolaus-Gronau