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Endstation Pötzleinsdorf

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Endstation Pötzleinsdorf | story.one

Montag, 8 Uhr früh. Eine Horde Kinder steigt lärmend aus dem 41er aus. Der Bimfahrer (schaut aus wie unser Ex-Bürgermeister Häupl mit Sonnenbrille) verlässt die Straßenbahn gemeinsam mit den Schülern und schlurft in meine Richtung. Hinter mir befindet sich ein öffentliches Klo, dass er wohl anstrebt. Als er sich der Woge Kinder entreißt, stapft er kopfschüttelnd an mir vorbei und murmelt " Geh' leckts mi do olle am Oasch..." und verschwindet im Häusl.

Verwundert lasse ich mich auf der nächsten Bank nieder und warte gespannt, was als nächstes passiert. Schließlich soll die Bim vom Häupl-Look-Alike in einer Minute wieder abfahren. Doch die Zeit vergeht und im stillen Örtchen bleibt alles ruhig. Wann kommt der Bimfahrer wieder raus? Ist er ins Klo gefallen? Ganz normale Montag-Morgen-Gedanken und immer noch spannender als die Gratis-Zeitung.

Während ich mich das noch frage, kommt auch schon die nächste Bim, vollgestopft mit noch mehr Schülern. Sie kann natürlich nicht in die Station einfahren, da die andere Bim immer noch verwaist auf ihren Chauffeur wartet.

Der Fahrer der neuen Straßenbahn tut mit ununterbrochenem bimmeln seinen Unmut kund. Verständlich, hocken ihm doch im Nacken ein Haufen schreiender Kinder, ein paar Müde Erwachsene und die obligatorischen grantigen Pensionisten. Er ist offensichtlich hin- und hergerissen zwischen dem wütenden Lynchmob von Schülern, die zu spät dran sind und der Verantwortung, die Kinder nicht einfach mitten in den Morgenverkehr aussteigen zu lassen.

Alle Leute, die gemeinsam mit mir warten schauen verwirrt zwischen den beiden Bims hin und her, keiner gibt ein Kommentar ab.

Der Häupl-Doppelgänger lässt sich nicht hetzen. Geschlagene 5 Minuten später verlässt er mit einer Tschick im Mundwinkel das Heisl und schlurft betont langsam zurück zu seiner Bim. Das Bimmeln der anderen Straßenbahn wird schriller und schriller. Meine Wartegenossen starren ihm schweigend entgegen. Bevor der Fahrer wieder einsteigt hält er das Gesicht gegen die Sonne, lächelt, inhaliert tief und schnipst den Stummel weg.

Wir Fahrgäste steigen leise ein und versuchen nicht aufzufallen. Geduckt drückt sich jeder in den Sitz, die Straßenbahn zuckelt langsam los.

Die Autorität der Wiener Bimfahrer ist unantastbar.

© Nina Burian 25.10.2019

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