Hollywood, here I come

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Hollywood, here I come | story.one

Ich war von der ersten Sekunde an gefesselt: der Style, der Glanz, die Musik dazu … zauberhaft. Ich spreche von der Netflix-Miniserie „Hollywood“. Sie handelt von dem Hollywood der 1940er Jahre. Die Zeit, in der so viele Talente nach Ruhm strebten, von der großen Karriere träumten und ihr Glück in der Traumfabrik versuchten. Die Faszination Film. In meinem Fall: Faszination Mini-Serie.

Der Trailer machte Lust auf mehr und schon war ich mittendrin: Ich lebe also mit, bin schockiert, amüsiert, wütend und gleich wieder bewegt. Eine Mischung aus Glamour, Sex, Gewalt, versteckten Vorlieben, Ungerechtigkeit, Scheinheiligkeit, Rassismus, … das waren harte Zeiten damals. Moment. Was hat sich seither tatsächlich geändert – außer die Mode?

Gute Frage. Die genannten Themen haben in der Geschichte nie an Brisanz verloren. Rassismus und Diskriminierung, aktueller denn je. Die großen Learnings fehlen. Was braucht es zur Veränderung? Oft sind es Krisen, die zum Umdenken anregen. – Ah, Moment, Krise? Da war ja was.

Krise, unser ständiger Begleiter. Aber mal ehrlich: es ist nicht alles schlecht, auch wenn das täglich so verkauft wird. Vor knapp drei Monaten haben wir nach der ersten Schockstarre begonnen, die guten Seiten der neuen Situation zu suchen. Teils aufgezwungene Verhaltensweisen wurden plötzlich als „gar nicht so schlimm“ beurteilt.

Das Loslassen des Gaspedals und schließlich die Notbremsung verhalfen zum Durchatmen und Sortieren. Nahezu verlockend war die Vorstellung, die neu entwickelten Gewohnheiten auch weiterhin zu behalten, auch dann, „wenn alles vorbei ist“.

Stichwort Lebensmittel-Einkauf. Ganz stolz war ich auf den einmaligen Wocheneinkauf mit gut durchdachter Einkaufsliste, aufgebaut auf einem kreativ erstellten Essensplan. Hat super geklappt. Bis heute. Also ich geh nach wie vor einmal die Woche einkaufen … und dann noch einmal und vielleicht noch einmal. Die wieder gewonnene Freiheit, ausgelebt am spontanen Supermarkt-Besuch. Fluff – und schon ist das rühmliche Vorhaben wieder verpufft.

Nein, Krise allein reicht nicht zum Umdenken. Nope. Zum Aufbrechen von Mustern und von Gewohnheiten war der Lockdown ein Anstoß zu persönlichen Erkenntnissen, mehr nicht. Aber hey, alles ist möglich. Wer hätte sich das am Jahresanfang gedacht? Diejenigen, die „mehr zuhause sein und weniger reisen“ als ihre Neujahrsvorsätze notiert hatten, rechneten wohl nicht mit einer 100%igen Umsetzung noch vor der Jahresmitte.

Wir halten fest: es ist mehr möglich als wir glauben. Krisen führen zum Umdenken. Ob uns das nachhaltig gelingt, steht und fällt mit der Umsetzung danach. Da heißt es, dranbleiben, nicht entmutigen lassen und fest daran glauben. Wie auch die jungen Talente, die nach Hollywood pilgern, für das eigene Ziel brennen, groß träumen und etwas wagen! Den Spirit nehm ich mit. Heute schreib ich die Liste für den Wocheneinkauf, morgen lös ich mein Ticket zur Traumfabrik: „Hollywood, here I come!“

© Nopegirl 29.06.2020