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ORF-Sonderkorrespondentin - Tunis 2011

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ORF-Sonderkorrespondentin - Tunis 2011 | story.one

Der Anruf kommt gegen 19.00h am 14. Jänner 2011. seit kurzem funktioniert das Mobilnetz wieder. "Guten Abend, hier spricht T. Leitner von der ZIB, ORF. Der österreichische Botschafter in Tunis hat uns Ihre Telefonnummer gegeben. Können Sie uns berichten, wie es nun vor Ort ist, so direkt am Geschehen in Tunis?" Ich bin doch etwas überrascht und antworte stolz: "Ja sicher kann ich das, ich denke auch, dass Ben Ali aus dem Land ist und ich Ihnen offen berichten kann. Ich möchte, dass mein Geburtsland Österreich Infos von mir bekommt, wo ich doch schon seit 15 Jahren in Tunesien lebe und Land und Leute so gut verstehe und kenne..". So vereinbaren wir, dass mir einige Fragen gestellt werden, diese aufgenommen und dann in der ZIB um 22h ausgestrahlt werden.

Ich bin aufgeregt - ich hab das noch nie gemacht. Ein Redakteur stellt mir Fragen zur aktuellen Lage in Tunis, die ich professionell zu beantworten versuche. Nach 20min ist alles vorbei und er meint: “Wir werden schauen, was wir verwenden können!“

Ich sitze vorm Fernseher, schalte 3sat ein und warte ungeduldig auf die 22h Nachrichten. Immer noch fliegen Hubschrauber durch den nächtlichen Himmel, ab und zu fallen Schüsse aus einiger Entfernung. Kein Autolärm, keine Stimmen... nichts.

22.00h - die ZIB 2 beginnt. Da kommt gleich die Info, dass sie ein Interview mit einer Unternehmerin aus Oberösterreich führen werden zur Lage in Tunis. Und wirklich - ein paar Minuten werden aus meinem Interview gesendet. Bin ich stolz ! Das Telefon läutet - der ORF, sie würden mich gerne zu den Frühnachrichten nochmals anrufen, dann aber live... ich sage zu.

Nach einer schlaflosen Nacht, ich weiss erst seit ein paar Stunden, dass mein Freund in Sicherheit ist, läutet kurz vor 7h das Telefon. „Guten Morgen, Frau S. Geht‘s Ihnen gut? Sie haben 53 Sekunden - können Sie uns berichten, wie die Nacht war? „ fragt mich der Redakteur. „Einen Moment bitte, ich lege Sie um. Der Moderator fragt Sie dann gleich live.„

Souverän berichte ich, halte fast genau die 53 Sekunden ein. „toll gemacht! Dürfen wir uns wieder melden? „ „ja gerne „ antworte ich.

11h, 13h - immer wieder live - hey wie toll schätze ich meine mir zugeordnete Redezeit ein - bin verwundert, wie das klappt.

Keine Ausgangssperre mehr - ich will raus - sehen, was los ist. Ich fahre mit meiner Tochter in Richtung Sidi Bou Saïd . Immer wieder zivile Strassensperren. Sie checken unseren Kofferraum nach Waffen oder Geld. Wir hatten bereits vernommen , dass derartige Transporte unterwegs waren... wir sind echt mutig!

Nächste ZIB - 17h - gleiche Prozedur - der freundliche Redakteur, mit deutschem Einschlag meint wieder: „Super Frau S. , ich leg Sie um . A. Wolf wird gleich mit Ihnen live sprechen.„ Ich sag: “Lieber Herr G. , bitte sagen Sie nicht immer , dass Sie mich umlegen werden - das ist echt makaber, wenn man mitten in einer Revolution ist und geschossen wird.“ Wir lachen beide.

9 mal live.

Dankesbriefe und ein 3-min Filmbeitrag von Karim El-Gawhary über mich folgen.

© NurduG 09.03.2020

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