Salha's Hochzeit oder Schluß mit heiß

Nabeul, nur 12 km von Hammamet entfernt. Viel weniger touristisch, noch viel ursprünglicher - das Zentrum der fruchtbarsten Region Tunesiens. In der Hauptstraße steht als Zeichen der Haupteinnahmequelle des "Cap Bon", eine riesige Keramikschüssel mit übergroßen Orangen drinnen.

Die Eltern meines tunesischen Mannes wohnen seit Generationen da. Mein Schwiegervater hat den ältesten Friseursalon der Stadt - unter den Arkaden in der Altstadt, vorbei am Markt, dem regen Treiben der Händler und Handwerker.

Es ist Sommer - Hochzeit-Zeit - die jüngste Schwester meines Mannes, Salha, wird heiraten, ihren, beim Studium kennen gelernten und lange Zeit geheim gehaltenen, Freund Salah. Finde die Namensähnlichkeit entzückend...

Ich wusste als erste und einzige von ihrer Beziehung und hielt mich an die Abmachung, niemandem - auch nicht meinem Mann - davon zu erzählen. Normalerweise sucht oft noch die Mama der Braut den Ehemann aus.

Es ist Mitte Juli - die Hochzeit wird vier Tage dauern. Ich wohne mit meinem Mann und meinen drei Kindern in unserer Wohnung im ersten Stock des Hauses meiner Schwiegereltern. Die Hochzeit spielt sich zu einem Großteil im Haus ab, im Innenhof - dem Houche - und in einem Nebenhaus, das einen wunderschönen, traditionell grün-orange gefliesten Houche besitzt.

Erster Abend Henna-Abend - die Braut und die Familie der Braut schmücken sich mit Henna-Farbe. Die Fußsohlen und die Handinnenseiten werden mit der dicken Paste eingefärbt. Trommelrhythmen begleiten die Zeremonie. Alles gut.

Zweiter Abend - gemeinsames Essen mit der Familie des Bräutigams es gibt Couscous und Slata mechouia (gebratenen Salat)- aber es ist so heiß und stickig.

Die Nächte sind unerträglich laut, da nicht nur bei uns geheiratet wird, sondern überall in der Stadt. Hätte ich doch Ohropax! Ich kann nicht schlafen. Außerdem gibt es nur einen Ventilator im Haus, den bekommt die Braut über Nacht. Mein Mann weigert sich, einen für uns zu kaufen. Nicht nötig, und außerdem ungesund...

Der letzte Abend - heute tragen meine Töchter und ich traditionelle Tracht aus Nabeul - weiße lange Blusen mit viel Spitzenbesatz und einer langen prächtig mit Goldfäden und Perlen bestickten, ärmellosen Jacke mit überproportionierten Schulterteilen. Geschminkt, geschmückt und mit Gold behangen - quetschen wir uns in den hübschen Innenhof bei den Nachbarn. Es sind mindestens 200 Frauen auf engstem Raum. Ich schwitze und kollabiere fast. Meine Töchter schicke ich gleich wieder raus an die frischere Luft, kühle 45 Grad um 21h.

Ich schreibe meiner Freundin Christine, die bei Aldiana / Hammamet arbeitet, dass ich Rettung brauche - noch so eine Nacht geht nicht mehr!

Nach der offiziellen Hochzeit pack ich meine Kinder, fahr ins Hotel, checke ein, beziehe ein Hotelzimmer und schalte die Klimaanlage auf 20 Grad. Wir duschen und ab ins kuschelige Bett und unter die Daunendecke. Zugedeckt bis oben hin....

Gute Nacht :-)

© NurduG