Schneefall und andere Seltsamkeiten

„Nicht wenn wir sterben kommen wir ins Paradies, sondern wenn wir geboren werden.“

Über dieses Zitat kann man vortrefflich diskutieren. Es stammt - frei übersetzt - von Jim Lovell, einem amerikanischen Raumfahrer, der als einer von ganz wenigen Menschen die Erde aus dem All gesehen hat.

Man könnte „Paradies“ aber genauso gut durch „Hölle“ ersetzen. Wie immer kommt es auf die Perspektive an. Und auf den Abstand zum betrachteten Objekt.

Schon als kleiner Junge spielte ich gerne den großen Entdecker. Angefangen hat alles mit naturwissenschaftlichen Büchern. Alsbald folgte eine fundierte technische Ausbildung und das Bedürfnis, möglichst alle Winkel und Facetten unserer einzigartigen Welt mit allen Sinnen zu erforschen.

Heute bekomme ich gesagt, dass ich das so nicht mehr darf. Um-die-Welt-reisen ist unmoralisch geworden. Wir müssen das Klima schützen und deshalb zu Hause bleiben. Wir alle. Darüber kann man nicht verhandeln, das hat man zu akzeptieren.

Ich denke ernsthaft darüber nach, ob das stimmt. Ich möchte ein paar wichtige Fragen stellen. Immerhin spreche ich selbst die Sprache der Forschung.

Anfang des Jahres 2019 reise ich in die Antarktis. Als normaler Tourist kannst du genau genommen nur die antarktische Halbinsel besuchen und bei wenig Packeis den südlichen Polarkreis erreichen. Im Hochsommer hat es hier an manchen Tagen Plus-Grade. Ein oder zwei. Nicht zehn.

Ich erhalte die Gelegenheit, sehr guten Vorträgen zu lauschen und die anwesenden Wissenschaftler und Forscherinnen um Antworten zu bitten.

Alle Daten belegen, dass ein von der Menschheit beschleunigter Klimawandel stattfindet, weil wir Treibhausgase in die Atmosphäre blasen. Auf Nachfrage wird mir bestätigt: beschleunigt, nicht verursacht. Die Ursachen sind sehr viel komplexer - und nicht hinreichend erforscht. Die Kontinentalverschiebung zum Beispiel hat absolut nichts mit der Menschheit zu tun, aber sehr viel mit dem Klima.

Erwärmung um +2°. Wenn sich die Luft am Südpol von -65° auf -63° erwärmt, kann sie mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Im trockensten Gebiet des Planeten fällt heute mehr Schnee - in Form von mikroskopischen Eiskristallen - als früher. Der 4 Kilometer dicke Eispanzer wächst - weil es wieder wärmer wird.

Wieder? Die Analyse von Eis-Bohrkernen bestätigt, dass die durchschnittliche Temperatur des Planeten Zyklen unterworfen ist, die in hundert-tausenden Jahren gemessen werden. Sie schwankt zwischen weniger als 10° bis weit über 20°. Derzeit haben wir etwa 13° und befinden uns seit einigen tausend Jahren am Weg nach oben.

Hausverstand. Die Gletscher auf der Nordhalbkugel schmelzen nicht erst seit gestern. Aber die Gletscher in der Antarktis? Bei 2-stelligen Minus-Graden im Hochsommer? Eigenartig.

Ich habe beschlossen, zukünftig noch viel genauer als bisher zu hinterfragen, was mir tagtäglich medial-hysterisch aufgetischt wird. Egal ob von politischer, wissenschaftlicher oder journalistischer Seite.

© Oliver Juli