Das Wunder der Natur

Es geschah an einem schönen klaren Abend. Um genau zu sein war es der Abend am 26. März 2010. Ich war damals erst sieben Jahre alt, also bitte verzeiht mir meine damals kindliche, allerdings für mein Alter und meine Unwissenheit passende Sprache. Mein Papa liebt es, diese Geschichte zu erzählen und meine Beschreibungen zu zitieren. Daraufhin verteidige ich mich immer damit, dass ich zu dieser Zeit doch noch keine Ahnung hatte. Daraufhin lacht er stets. Zugegebenermaßen fühle ich mich dadurch nicht gerade besser, aber jetzt zu der Geschichte:

Wie gesagt war es schon Abend, wie gewohnt striegelten wir die Pferde. Es muss an einem Wochenende gewesen sein, an einem Freitag oder an einem Samstag, denn sonst wären mein jüngerer Bruder Matthias und ich nicht bei meinem Papa gewesen. Zu dieser Zeit gehörte der Bauernhof zwar noch unserem Opa, aber Papas Pferde hatten schon damals ihren Platz am Hof. Man muss wissen, dass er, als er noch in meinem jetzigen Alter war, schon ein eigenes Pferd hatte. Dem entsprechend hatten wir, mehr oder minder gemeinsam, zwei Pferdeboxen gebaut. Ursprünglich waren sie für seine Rappenstute Gloria und seine Mohrenkopfstute Olina, allerdings war Gloria damals vor kurzem verstorben, weshalb die zweite Box leer stand. Das würde sich allerdings schon bald ändern, da Olina hoch trächtig war.

Während wir also alle drei bei Olina in der Box standen, um sie zu putzen, bemerkte ich, dass irgendetwas komisch war. Zuerst dachte ich mir nicht viel, aber mit der Zeit wurde ich immer unruhiger, sagte aber nichts. Erst, als „aus ihr eine Blase, wie ein Luftballon herauskam“, fragte ich meinen Papa, was jetzt passieren würde. Um ehrlich zu sein, hatte ich Angst, dass Olina jetzt auch sterben würde. Er allerdings lachte nur und meinte, dass wir einfach weiter putzen sollen, da das unser Pferd als angenehm empfinden würde. Die Blase wurde mit der Zeit immer größer und es dauerte auch nicht sonderlich lange, bis man Beine zu sehen bekam. Weil ich immer noch verwirrt war, erklärte uns mein Papa, dass Olina jetzt ihr Fohlen auf die Welt bringen würde.

Nach dieser Nachricht war ich sehr aufgeregt, denn er hat uns Kindern erzählt, dass nur wenige je in ihrem Leben ein Pferd dabei beobachten könnten, wenn sie ihr Fohlen auf die Welt bringen. Das aus zwei einfachen Gründen. Zum einen, weil Pferde normalerweise erst in der Nacht gebären, zum anderen, weil Pferde das im Normalfall nicht vor Menschen machen.

Wir haben uns also eine Bank geholt und aufgestellt. Dann hat jeder etwas zu trinken bekommen und wir haben unserem Pferd dabei zugesehen, wie sie Olga, wie wir das Fohlen später benannten, auf die Welt brachte.

Stolz kann ich also erzählen, dass ich unsere Olga wortwörtlich seit ihrer Geburt kenne und eines der größten Wunder der Natur hautnah miterleben durfte.

© onigiri