Das Limit.

2500 Zeichen.

So etwas tut schon bitter weh. Da gibt man mir ein leeres Blatt, doch ich habe nur 2500 Zeichen. Bei dem Schreiben bin ich frei, ich kann ich sein, ohne Limit, ohne Grenze, ohne Angst, doch hier? 2500 Zeichen. Ich frage mich, ob ich mit nur 2500 Zeichen überhaupt fliegen kann...

Frei wie ein Vogel. Der Wind weht durch meine Haare, die kühle Abendluft verfängt sich in meinen Kleidern, das Gefühl der Freiheit überkommt mich. Unter mir rast die Landschaft nur so dahin, ein schier endloser Wald, die dunklen Baumwipfel ragen bedrohlich gen Horizont, doch sie liegen unter mir. Hier oben bin ich frei, alleine, es herrscht eine höhere Macht der Stille, trotz des pfeifenden Windes in meinen Ohren. Vor mir erhebt sich ein Gebirge, die kargen Steingipfel erheben sich majestätisch und greifen wie hungrige Finger gen Horizont, während dahinter gerade die letzten Sonnenstrahlen sich den Weg zu meinem Auge bahnen. Meine Arme halte ich ausgebreitet neben meinen Körper und ich spüre wie sie mich oben halten. "JUHUU!!!" Mit einem Freudenschrei presse ich mir meine Hände mit gekreuzten Armen gegen die Brust, drehe mich auf den Rücken und falle auf den fernen Boden zu. Ich falle, doch ich weiß, dass mir nichts geschehen kann, denn ich vertraue. In letzter Sekunde breite ich meine Arme erneut aus, und bremse meinen freien Fall. Jetzt gleite ich mir atemberaubender Geschwindigkeit rücklings über den Wald hinweg. Genussvoll atme ich die frische Luft ein, der Duft von Moos dringt in meine Nase... Jetzt erreiche ich die Berge und meine Flugbahn wird steiler und steiler. Noch immer fliege ich mit dem Rücken zu der Felswand gen Himmel und ich habe das Gefühl als würde ich entgegen der Schwerkraft, in Richtung Himmel fallen. 'Jetzt!' denke ich und drehe mich um 180°. Vor mir liegen nun die höchsten Gipfel der Berge, majestätisch und kraftvoll, ermutigend und ewig, die höchsten sind schneebedeckt, es ist ein Anblick wie aus einem Märchenbuch... Ich schließe die Augen...

Ja, ich kann fliegen. Jetzt bin ich beruhigt. Was kann ich denn sonst noch so? 2500 Zeichen sind ja gar nicht so schlimm. Kann ich auch rechnen?

Weiß. Der Raum in dem ich jetzt schwebe, ist weiß. Viel mehr kann ich nicht erkennen, ich weiß nicht, wie weit der Raum reicht, ich weiß nicht einmal ob ich überhaupt in einem Raum bin. Warum war ich hier? Ach ja, rechnen... Ich stelle mir Zahlen vor... Bis jetzt habe ich 2009 Zeichen... Erschrocken nehme ich wahr, indem ich 2500 und 2009 über einander stelle, und die untere Zahl, also 2009 mit einer Handbewegung nach oben wische, so kann ich sie abziehen, dass mir nur noch 491 Zeichen verbleiben. Was soll ich nur tun? Doch dann kommt mir die Erkenntnis...

Vielleicht sind 2500 Zeichen ja gar nicht so schrecklich. Wer weiß, vielleicht hilft es mir ja wirklich dabei, auf den Punkt zu kommen. Aber das Beste an der ganzen Sache? Ich kann einfach 2500 Zeichen schreiben, und nochmal 2500 Zeichen, und nochmal, so oft wie ich will! Eigentlich ist es ja gar nicht so...

© Othemph