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Erinnerungen an Oma

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Erinnerungen an Oma | story.one

- manche sind einfach wie ein wärmender Schal. Hüllen einen auch im Alter noch ein; beschützend, geborgen, glücklich. Einiges verschwindet wie ein Federhauch, einiges ist fest verankert. Während meine Erinnerungen an mein Elternhaus immer wieder recht gemischte Gefühle hervorrufen, sind die Erinnerungen an die Zeiten bei meiner Oma durchgehend mit einem Wohlbefinden verbunden. Auch wenn die Oma nach Opas Tod immer viel zu tun hatte, um alleine Haus und Garten zu bewirtschaften, so hatte sie doch immer Zeit für uns Kinder, wenn wir einige Tage bei ihr sein durften.

Was machte es schon aus, wenn man dort nur ein kleschkaltes Plumpsklo hatte. Die kindliche Katzenwäsche mit dem überaus erfrischenden Brunnenwasser erfolgte. Und nur an kälteren Tagen heißes Wasser aus dem Küchenherd ins Holzschaffel geleert wurde, um darin zu baden. Die einfachsten Mahlzeiten schmeckten köstlich und überhaupt - Oma hatte Zeit, mit und für uns immer wieder etwas frisch zu backen. Dazu das viele frische Gemüse und Obst aus dem Garten - kein Bummel über einen Bauernmarkt kommt da heran.

Auch sprachlich war Omas Welt damals eine ganz andere. Wir wuschen uns im Lavoir. Wenn es regnete, benutzte Oma einen Parapluie und bezahlt wurde mit Münzen aus dem Portemonnaie. An Festtagen zog die Oma unter ihrem Kleid eine Combinaison an und sonntags ruhte man sich auf der Ottomane aus. Wenn Oma zu uns in die Stadt auf Besuch kam, achtete sie darauf, daß wir Kinder das Trottoir nicht verließen. Unterhielten sich die Erwachsenen über spezielle Dinge, hörten wir Kinder öfter etwas von einem Séparée. Die Ménagerie habe ich in doppelter Erinnerung. Einmal als Ménage für diese Würzgestelle auf dem Tisch mit Pfeffer und Salz oder Essig und Öl. Verwendet hat die Mama das Wort Ménagerie eher, wenn sie von der früheren, bunten Tiermischung auf dem kleinen Bauernhof meiner Großeltern erzählte.

Wenn es mit einem der Nachbarn zu Ende war, dann hielt man zuhause die Totenwache und die Pompes funèbres holten den Verstorbenen ab. Und Gott bewahre, daß man die Pompiers brauchte. Rückblickend ginge der Wortschatz der Großeltern direkt als Grundstein für die sprachliche Ausbildung an der Schule. Wenn nicht zu meiner Zeit grade das Englisch im Vormarsch gewesen wäre. Und das österreichische Französisch etwas zu frei interpretiert. Denn meine belgische Freundin war immer wieder erstaunt, welche Worte wir wofür verwendeten - und die Aussprache dürfte auch nicht immer so ohne gewesen sein. Egal, für mich war die Oma supergebildet und ich erinnere mich noch immer gerne an ihre Erzählungen.

Natürlich auch an lukullische Köstlichkeiten wie Arme Ritter, Pofesen, Gebackene Mäuse, Sterz, Stosuppe mit Brotwürferl, Grießknöderl zum Gselchten, den Herrn Frittat in der Rindsuppe und Most in allen Varianten.

Und heute? Mache ich hin und wieder meiner Mama zum Aufpäppeln einen Weinchaudeau, so wie ihn mir damals die Oma kredenzte.

Danke Gott, wenn einem ein Malheur erspart blieb.

© P-Hildegardsen 2020-02-16

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