Hemmungen

  • 67
Hemmungen | story.one

Ina (Therapeutin und Coach) arbeitet mit mir immer wieder diverse Glaubenssätze durch. Es ist unglaublich, welch Haufen an Glaubenssätzen sich da im Laufe der Jahrzehnte angesammelt hat. Nun sind ja Glaubenssätze per se nichts Schlechtes. Sie helfen einem, sein Lebensschiffchen auch bei rauher See gut durchzusteuern. Aber wenn sich die Wetterverhältnisse ändern, dann können diese Glaubenssätze auch ganz schön hemmend sein. So habe ich es verstanden. Und damit das nicht zu einfach wird, treten die Glaubenssätze natürlich nicht schön klar und übersichtlich durchnumeriert auf. Nein, die muß man erst so nach und nach aus den tieferen Gründen seinerselbst hervorholen. Aber man kann sie löschen. Und auch wenn ich anfangs skeptisch war - es scheint zu klappen. Da hatte ich schon so manches Wouw-Erlebnis.

Weil ich mich nun auf den nächsten Termin bei Ina vorbereite, ziehen natürlich wieder diverse Erlebnisse meiner Kindheit und meines Lebens durch die Gedanken. Dort, wo sich die hemmenden Glaubenssätze schon aufgelöst haben, kann man dann solche Erlebnisse und Sätze zwar "ansehen", aber gleich auch wieder weiter ziehen lassen. Das fühlt sich wirklich leicht und frei an. Doch dort, wo manche der Glaubenssätze noch fest zementiert sind, sich wie dickes klebriges Pech anfühlen, da spüre ich auch die Schwere und die Hemmungen.

Als Kind habe ich mich immer unerwünscht gefühlt. Da konnten die Eltern noch so oft beteuern, ich wäre ein Wunschkind gewesen. Es hat mich immer hinunter gezogen, wie mit einem tiefen schwarzen Sog. Später habe ich dann von meiner Mutter erfahren, daß sie nach der Entbindung eine Woche im Spital lag (das war damals so üblich) und genau wußte, daß mein Vater es im Ehebett mit anderen Frauen trieb. Verständlich, daß Mutter trotz aller Liebe zu ihrem Baby doch nur halb"anwesend" handeln konnte.

Erst in letzter Zeit habe ich über Narzißmus viel erfahren und gelernt. Aber auch über die Co-Abhängigkeit, in die die Familienmitglieder unwillkürlich rutschen. Die Freiheit, sich selbst zu entfalten, hat man da einfach schon im Innersten nicht. Also wieder eine Hemmung. Halt suchend taumelt man dann als Jugendlicher und junger Erwachsener in andere (private und berufliche) Abhängigkeiten. Die Intuition, die oft zum Weglaufen rät, wird niedergekämpft - nur Starre bringt noch einen Halt. Und die entsprechenden Glaubenssätze, was man alles MUSS und was man alles NICHT darf.

Welch Erleichterung, welche Lebensfreude tut sich auf, wenn sich nun so nach und nach diese hemmenden Glaubenssätze auflösen. Da flutet dann solche Wärme und Freude mit sich selbst durch Seele und Körper. Ich will mehr davon. Ich mache weiter. Raus mit den Hemmungen und den Glaubenssätzen!

© P-Hildegardsen 19.10.2019