Ohne Führerschein - sechs Unfälle

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Ohne Führerschein - sechs Unfälle | story.one

Ich bin 6 Jahre alt, als ein betrunkener Autofahrer neben einem Polizisten auf d. Zebrastreifen einfach durchfährt. Ich werde an meiner Schultasche (brav auf d. Rücken getragen) erfaßt u. unter parkende Autos geschleudert. Krabble hervor, richte meine Kleidung u. gehe nach Hause. Verschwinde auf mein Zimmer. Stunden später fragt der Polizist bei meinen Eltern nach, wie es mir gehe. Vermutlich saß der Schock so tief, daß ich nichts davon beim Heimkommen erzählt habe. Da keine blutenden Wunden festgestellt wurden, kam damals auch niemand auf die Idee, die Wirbelsäule zu röntgen oder sonst etwas anzusehen. In der Folge hatte ich immer wieder Schmerzen, besonders stark waren die Kopfschmerzen. Und so erhielt ich bereits im Volksschulalter Schmerzmittel von Adolorin über Thomapyrin bis zu Gewadal, die ich mit 10 Jahren schon in höherer Dosis einnahm.

Mit 13 Jahren der nächste Autounfall. Im Pfingstverkehr war ein Autofahrer über die Stopptafel weit auf d. Bundesstraße gefahren, mein Vater machte eine Vollbremsung u. der hinter uns Fahrende kleschte uns drauf. Dann gab es mit 14 einen Sportunfall beim Großtampolin - seither ist meine Lendenwirbelsäule nahezu ständig am schmerzen. Insgesamt bin ich kaum noch gerne in ein Auto eingestiegen. Meine Arbeitskolleginnen haben mich dann mit 22 Jahren überredet, doch endlich die Fahrschule zu besuchen - so ohne Führerschein könne man doch nicht überleben ... Nach einigen Wochen - bereits in d. Nähe d. Prüfung - fuhr ich mit einem Kollegen zu einem Treffen. Es gab Umleitungsverkehr - und ja, ein gewohnheitsmäßiger Vorfahrthaber beachtete seine Stopptafel nicht. Ich kam ins Spital, kleinere Verletzungen - aber danach wollte ich nicht einmal ins Taxi nach Hause steigen. Autofahren war für mich längere Zeit wieder tabu. Dann meldete sich d. Fahrschule, ob ich den FS nicht fertig machen möchte. Mir wurde ein angeblich sehr einfühlsamer Fahrlehrer zugeteilt. Was soll ich sagen. Meine Angst hat ihn eher genervt u. er meinte, ich wäre ein Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr, weil ich meine Vorfahrten nicht wahrnehme u. unsichere Signale an die anderen Verkehrsteilnehmer aussende. Verstehe ich. Also habe ich das Fahrschulgeld abgeschrieben u. bin nicht mehr zum Unterricht gegangen.

Mein kaninchenartiges Verhalten vor der bösen "Schlange" Auto hat einen weiteren Vorfall provoziert. Ich stehe in einer Parklücke, um die Straße zu überqueren. Viele Fahrzeuge, daher stocksteif stehengeblieben. Ein Autofahrer wollte einparken u. fuhr mir halt über d. Füße, stieg aus u. drückte mir 100 Schilling für neue Schuhe in d. Hand.

Beim letzten Unfall starb mein Lebensgefährte und ich habe wieder überlebt. Hinters Lenkrad traue ich mich noch immer nicht. In Wien geht es ohne Auto ganz gut, die 2 1/2 Stunden Fahrzeit zu meinem Bauernhäuschen muß ich in Kauf nehmen - mit dem Auto wäre es eine Stunde.

"Angst ist hinderlich", sagt die Vernunft. "Erfahrung muß gehört werden", sagt die Angst.

© P-Hildegardsen 11.06.2019