unvollständige Gedanken zu Europa

Europa. Was ist Europa? Europa ist ein Erdteil. Also männlich. Europa ist in der griechischen Mythologie eine phönizische Königstochter. Also weiblich. Europa ist auch Namensgebung für das chemische Element Europium. Also sächlich. Damit ist es nun schon gesagt: Europa ist ALLES für uns. Männlich, weiblich, sächlich. Und wie neutral ist sächlich?

Was ist das für ein Gefühl, in Europa dazuzugehören. Ist es wie ein Familiengefühl? Da bin ich. Als einzelnes Wesen. Dann gehöre ich zu meiner Familie. Vater, Mutter, Geschwister usw. Dann bin ich Ortsbewohner, ich gehöre zur Ortsgemeinschaft. Mein Bundesland. Verflixt, warum muß ich immer noch verbindlich angeben, wo mein Hauptwohnsitz ist? Meinem Gefühl nach ist das ziemlich ausgeglichen. Kommt natürlich auch aufs Wetter drauf an, ob ich im Jahr mehr Zeit auf dem Land oder in der Stadt verbringe. Warum dürfen meine beiden Wohnsitze nicht auch neutral und ohne Wertung sein. Ach ja, es geht ums Geld. Immer noch und immer wieder. Weil da gibt es Verteilerschlüssel für die Gemeinden ... in meinem Inneren widerstrebt es mir, einen Hauptwohnsitz aussuchen zu müssen. Ich bin da wie dort glücklich und zuhause.

Nach dem Bundesland gibt es ein starkes Gefühl der Staatenzugehörigkeit. Natürlich gehöre ich zu Österreich. Die Schweiz würde mir auch gut gefallen. Auch Deutschland hat viel, das ich sehr schön und interessant finde. Für den Urlaub aber eher nur. Die deutsche Gründlichkeit ist sogar mir mitunter zuviel. Die Lässigkeit der Niederländer gefällt mir. Aber dann doch auch eher England. In England könnte ich mir wohnen und arbeiten gut vorstellen. Warum aber soll ich mich so beschränken? Wohnen und arbeiten in Neuseeland wäre noch viel interessanter.

Fernweh. Schmerzt das wirklich? Oder schmerzt es, irgendwo sein zu müssen und nicht weg zu können. Freiheit. Hat man die Freiheit wirklich? Wie frei ist man in der Ferne, in der Fremde? Und schätzt der Mensch es wirklich, wenn er Freiheit hat? Schützt mich eine Grenze oder behindert sie mich.

Wenn ich von hier weggehe, um woanders zu leben. Warum mache ich das. Weil dort alles besser und schöner ist? Weil dort das Gras soviel grüner? Warum bleibe ich nicht hier und versuche mein Bestes, auch mein Gras so grün wie irgend möglich zu machen. Nach tausenden Fragen und Überlegungen habe ich erkannt: Ich bin Europa. Ich bin männlich, weiblich, sächlich.

© P-Hildegardsen