Du darfst auch drauf greifen

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Du darfst auch drauf greifen | story.one

"Nein, da hab ich keinen Bock drauf, aber Moment..." er hält den Hörer zu und dreht sich zu mir: "Du Päter, magst Security bei den Stones im Happelstadion sein?" "JA!" hörte ich mich sagen, bevor ich über das eben gesagte überhaupt nachdenken konnte: "Sehr gut. Ich geb ihm deine Nummer und du kriegst dann ein SMS mit allen Infos."

"Treffpunkt: Ernst-Happelstadion 14.07 12:00 Uhr. Alles weitere vor Ort." Ich war zwar erst 17 und als Mitglied einer Punkband knapp bemessene Infos gewöhnt, aber das SMS kam sogar mir organisatorisch ein wenig gewagt vor.

An besagtem Tag beim Happelstadion angekommen, schaute ich mich ratlos um: "HEAST DU! BIST DU A SECURITY?" schrie ein bärtiger Mann, bei dem ich das Gefühl hatte, dass wenn er sich auf der Mittelauflage des Fußballfeldes einmal umdrehen würde, beide Tore gleichzeitig umfallen würden: "Ja?!" "KUM HEA! Do host dei Leiwal. Du bist groß, du kumst in Wavebreaker. Auziagn, daun gehst no amoi pinkln, kummst genau do wieda her, i zag da wo du stehst und daun stehst bis des Konzert aus is auf deiner Positon. Host mi?" und ohne meine Antwort abzuwarten, schob er mich Richtung WC-Anlage.

Ab 13:00 Uhr standen wir also auf unseren Positionen bei brütender Hitze in der prallen Sonne und kein Mensch, außer der Vorband die gerade Soundcheck machte, war zu sehen, da der Einlass erst um 17:30 Uhr war. Obwohl das leere Happelstadion zu Beginn sehr beeindruckend war, überlegte ich gegen 17:00 Uhr bereits als Beschäftigung die Grashalme zu zählen. Auch sämtliche Sorgen aufs WC zu müssen waren verflogen, weil ich bis auf den letzten Tropfen leergeschwitzt war. "WOSSA GIBTS ERST OB DE STONES! ES GEHT MA KANA VO EICH PINKLN BIS ES KONZERT AUS IS!"

Einlass. Die fanatischsten Fans, die meisten davon Jahrzehnte älter als ich, sprinteten zum Wavebreaker und musterten mich verstohlen, ob ich sie fürs Sprinten eh nicht schimpfen würde.

Nach der Vorband drängelte sich plötzlich ein äußerst hübsches Mädl in exakt meinem Alter direkt vor mich hin: "Hebst du mich rüber? Ich will in die erste Reihe. Bitte!" hauchte sie mich an, als wäre ich der sexiest Man alive. "Das darf ich leider nicht." sie zwinkerte mich an: "Jetzt komm schon. Ich zeig dir auch meine Brüste." ich lachte irritiert: "Das kannst du gern machen, aber ich darf dich leider trotzdem nicht rüber heben." und da zog sie tatsächlich ihr Leiberl hoch bis zum Hals: "Du darfst auch drauf greifen." ich blickte ihr weiterhin in die Augen: "Schau, mir wäre es wurscht, aber ich hab keinen Bock drauf wegen dir dann kein Geld für die ganzen Stunden die ich hier schon gestanden bin zu bekommen." Enttäuscht verschwand sie in der Menge.

Dass ich mein Geld bis zum heutigen Tag nicht bekommen habe, obwohl ich dort insgesamt 15 Stunden gestanden bin und das selbe Mädl zwei Wochen später bei einer Schulexkursion wieder gesehen habe, sie mich erkannt und sich zu Tode geniert hat, ist eine andere Geschichte. Eine interessante Sozialstudie und Lebenserfahrung war der Securityjob allemal.

© Päter_Runkverr