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Guten Morgen!

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Guten Morgen! | story.one

Der schnellste Weg in mein Büro am Werksgelände, ist der Weg über unser Zentrallager ins Hauptgebäude. Ich bin kein Typ im Businessoutfit, aber dennoch erkennt man an meinem ausgeleierten Poloshirt, dass ich vermutlich keinen handwerklichen Beruf, sondern einen Bürojob habe.

Ein etwa Mitte 50-jähriger Lagerarbeiter in Latzhose kommt mir, obwohl sein Körper ihm signalisiert, dass er Bewegung um diese Uhrzeit wirklich noch nicht will, am Gang entgegen, sieht mich und senkt schnell ängstlich seinen Blick, der mir signalisiert: "Bitte nicht schon wieder so ein selbstverliebter, arroganter Büroschnöselburli, der mich entweder gar nicht grüßt oder selbst wenn, so abwertend und respektlos ansieht, dass es kaum zu ertragen ist." und, dass er glaubt, dass ich so bin, verletzt meine Gefühle, auch wenn ich verstehen kann woher es kommt.

Ich nehme also meine gesamte Energie, die mir um diese Uhrzeit zum transportieren von respektvoller Freundlichkeit zu Verfügung steht zusammen, schaue ihn an, sage laut und deutlich "Guten Morgen!" und als er überrascht seinen Kopf hebt, ihm direkt und klar in die Augen um ihm zu signalisieren: "Du machst deinen Job, ich mach meinen Job und gemeinsam sind wir gleichwertige Menschen die in ihren Bereichen Geld dafür bekommen, dass sie hier ihre Arbeit leisten und wenn wir schon im selben Boot sitzen, können wir uns ja gegenseitig dabei unterstützen und wenn das fachlich nicht geht, zumindest respektvoll miteinander umgehen, weil wir im großen und ganzen ja doch an der selben Sache arbeiten." und in seinem Gesicht geht, sichtlich noch immer überrascht, die Sonne auf: "Ähm jo... Zeawas.. Morgen!" und er biegt in seine Werkstätte ab:

"Heast Koarl, mi hot grod ana vo de Büroheisln ua freundlich griaßt. Zumindest ana vo de is offmsichtlich ka gschissanes Oaschloch."

"Du manst den laungen min Boat gö?"

"JO GENAU!!!"

"Der hoit a imma jedn leiwand de Tia auf. Mir hoda a scho amoi de Tia aufghoidn." und ich freue mich.

Am nächsten Tag in der Früh sehe ich an der gleichen Stelle keinen der beiden Kollegen. Fast bei der Verbindungstür vom Lager zur Direktion angekommen, höre ich schnelle, stampfende Schritte, die nach jemandem klingen, der eigentlich laufen will, sich aber schmerzbedingt nicht mehr ausgeht als schnelles Gehen: "JETZ WOATNS HOID HEAST!!!" ruft der Kollege von gestern lachend. Ich bleibe überrascht stehen, er überholt mich, öffnet mir mit dem herzlichsten Grinser den ich seit langem gesehen habe die Tür und sagt weiterlächelnd und außer Atem: "Guten Morgen! Hereinspaziert!" und ich gebe ihm sichtlich gerührt die Hand, schaue ihm in die Augen und sage: "Danke! Das ist wirklich nett!" er klopft mir fröhlich und stolz auf die Schulter: "Sie san leiwand! I wünsch Ihna an schen Tog!" "Danke und ebenfalls!" zwinkere ich ihn an und so beginnen wir beide so gut gelaunt wie schon lange nicht mehr unseren Arbeitstag.

© Päter_Runkverr 20.03.2020

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