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Mein Trainer

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Mein Trainer | story.one

Mein Opa ist auf einem Sportplatz als Kind des Platzwartes aufgewachsen. Sein erstes Taschengeld hat er als Ballbub bei den Tennismatches der Oberschicht verdient. Später als Trainingspartner und Trainer der Kinder aus reichem Haus. Er wurde Juniorenstaatsmeister im Tennis, spielte in den österreichischen Landhockey- und Eishockeynationalmannschaften und schaffte es bei einem europaweiten Tennisturnier auf Platz 3, immer mit dem Hintergedanken endlich einmal weg zu kommen um mehr von der Welt sehen zu können.

Mit Anfang 20 veränderten sich seine Prioritäten, da er meine Oma kennen lernte und bald darauf meine Mutter und in weiterer Folge meine beiden Tanten auf der Welt waren. All seine Liebe, Begeisterung und Energie steckte er nun in das Wohl seiner Mädls und lebte seine sportliche Leidenschaft für Tennis nur mehr im Hobbybereich aus, in dem das höchste der Gefühle seiner Gegner war, wenn sie es schafften, dass er sein berühmtes Trainingswesterl auszog, weil ihm damit doch ein bisserl zu warm war, während sein gegenüber schweissabsonderungstechnisch jedem Rasensprenger Konkurrenz machte.

Seine drei Mädls, die alle durchaus auch sportliche Talente besaßen, trugen nicht die gleiche Leidenschaft in sich wie er. "Das ist nicht schlimm. Jeder soll tun was ihn glücklich macht." sagte er immer, während alle Bekannten die drei Mädls drum beneideten einen Spieler dieser Qualität als Vater zu haben und dies nicht nutzen zu wollen.

Ich weiß noch genau, wie mich alle davor warnten, als ich die Entscheidung traf, Tennisspielen lernen zu wollen. "Jedes Bootcamp ist nichts dagegen." und ich freute mich so sehr, weil ich genau das wollte. Ab dem ersten gespielten Ball traf mich die Leidenschaft für diesen Sport wie ein Blitz. Umso mehr er mich forderte, umso mehr Einsatz zeigte ich. "Solange mich keiner vom Platz trägt, geht noch was." war immer sein Motto und so auch meins. Ich hatte natürlich bei weitem nicht sein Talent, aber umso mehr seine Leidenschaft für diesen Sport und mit einer eisernen Geduld trainierte er mit mir ob Sommer ob Winter. Nach einem Jahr besiegte ich unseren gesamten Verwandten- und Bekanntenkreis und vor allem auch die Leute vom Verein, die mir immer lang und breit erklärt hatten, dass es mir an Talent mangle und aus mir niemals ein guter Spieler werden würde. Ich weiß noch genau wie mein Opa ein Match mit meinem größten Kritiker organisierte und mir kurz davor ins Ohr flüsterte: "Ein Game pro Satz lässt ihn machen, das ist sonst unhöflich." und ich kann mich nach dem 6:1 6:1 an seinen Blick voller Liebe und Stolz erinnern als wäre es gestern gewesen.

Danke Opa, dass du mir all die vielen Stunden auf dem Tennisplatz geschenkt und diese unendlich große Leidenschaft für diesen Sport weitergeben konntest. DANKE!!! DANKE!!! DANKE!!!

© Päter_Runkverr 11.10.2019

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