Verliebt?

Wir standen bei der letzten möglichen Runde, die uns der nett grinsende Barkeeper noch gutmütigerweise zugestand, an der Bar zu den Klängen von "I'm going home" von Alvin Lee, in voller Lautstärke, versteht sich.

„Du Päter? Kann ich heute bei dir schlafen?“ schrie sie zärtlich in mein Ohr.

Ich: „Ähm…“

Sie: „Büüüüüüüüüüüüüüüütte“, und ich spürte ihre warme Hand auf meiner Wange, die meinen Kopf mit sanftem Druck in Richtung ihres Gesichtes bewegte. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen, legte ihre Hände um meinen Hals und ich spürte, wie sich ihre warmen, weichen Lippen um meine schlossen, mein Herz begann fester und schneller zu schlagen, und es breitete sich dieses wundervoll schöne Gefühl von Stärke, Wärme und Zufriedenheit aus, an das nur sehr wenige Dinge annähernd herankommen und selbst dann nicht wirklich vergleichbar sind. Wie direkt ich auf einmal spürte, wie gern sie mich hatte und wie leidenschaftlich sie mir genau das unter Beweis stellen wollte.

Ich strich ihr über ihre Wange mit der wohl weichsten Haut der Welt und löste meine Lippen von ihren, während sie mich mit einem Blick ansah, für den es keine Worte gibt, die schön genug wären, um ihn zu beschreiben. Plötzlich trat sie einen Schritt zurück, nahm mich bei der Hand, nickte lieb schauend Richtung Ausgang und sagte: „Komm Päter“, mit einem anschließenden Lächeln, für das ich ihr am liebsten gleich nochmals um den Hals gefallen wäre.

Endlich draußen aus dem Lokal, war es angenehm ruhig. Die gepflasterten Straßen waren feucht, ohne dass jemand gemerkt hätte, dass es geregnet hatte, und es wehte sanft und kühl der Wind. Nicht zu kühl, sondern genau richtig.

„Mir is kalt“, hörte ich von rechts neben mir und spürte gleichzeitig einen sanften liebevollen Rempler. Petra sah mich an wie ein kleines Mädchen, das ihre Eltern fragt, ob sie etwas naschen darf. Ich umarmte sie und spürte ihren Kopf auf meiner Brust, wodurch mein Herz übernatürlich laut und schneller als sonst zu schlagen begann. Es machte sich fast ein bisschen schlechtes Gewissen bei mir breit, weil ich mir vorstellte, wie laut es für sie sein musste, wenn sie doch genau mit dem Kopf auf der Brust lag. Fast ein wenig entschuldigend streichelte ich über ihre süßen weichen Wangen und spürte mit der anderen Hand, mit der ich sie umarmte, wie ihr Herz genauso laut und schnell zu schlagen begann wie meines. Da war es dann überhaupt vorbei mit jeglichen Herzschlagbeeinflussungsversuchen. Ich schloss die Augen und merkte, wie das Glück vom Bauch in den Kopf stieg und stellte mir vor, wie wohl die kommenden Tage und Wochen aussehen würden, wie wundervoll schön alles sein würde und ob es überhaupt noch etwas gäbe, das unsere momentane Situation noch perfekter machen könnte.

© Päter_Runkverr