Nur ein Stück Stoff

Sie war mit den hundert gekommen, die vor nahezu zwei Jahren das ehemalige Altersheim in unserer Stadt mit fremdem Leben erfüllt hatten.Das nunmehrih´ge Haus Helina war dann Heimat für das Mädchen Hedyje. Es dauerte eine Zeit, bis man die Dunkelhaarigen , und den mandelförmigen Augen einen Namen zuordnen konnte, welcher Schulklasse sie angehörten und aus welchem Land sie stammten. Besagtes Kind kam aus der Türkei, wo ihre Familie eine Zeitlang gewohnt hatte, stammte aber ursprünglich aus Afghanistan. Die altersmäßige Zuordnung war schwierig, weil die Papiere und Dokumente fehlten. Hedyje lernte schnell, sowohl Sprache, als auch Schreibschrift. Neben den guten schulischen Leistungen zeigte sich das Mädchen wach, manchmal auch aufmüpfig und neugierig.In kreativen Dingen stellte sie sich sehr geschickt an, entwickelte eigene Ideen, sodass es eine Freude war. ihr zuzuschauen. Die Eltern des Kindes wurden mir als weltoffen und engagiert beschrieben, irgendwo mussten ja die Samen für die aufkeimenden Talente grundgelegt worden sein. Eines Tages, als ich zu Hausaufgaben Betreuung kam, fand ich ein veränderte Hedyje vor. Sie trug ein Kopftuch, dass jeder Großmuttergerecht worden wäre, jedoch nicht einem jungen Mädchen. Das Tuch schien dem Mädchen schwer am Kopf zu lasten. Sie wirkte be- drückt, im wahrsten Sinne des Wortes. Auch die Klassenlehrerin bestätigte meine Wahrnehmung. Hedyje saß auf ihrem Platz- in der Schule wirkte das Tuch noch schwerer und bedrückter. Irgendwie war das Lustigem Freche, Unbeschwerte von Hedyje gewichen. Sie spürte wohl, dass das Kopftuch sie von den Mitschülern trennte. Als Außenstehene- Beobachterin wünsche ich ihr den Mut, sich eines Tages des Tuches zu entledigen- oder mit großem Selbstbewusstsein zu tragen- und auch damit frech, unangepasst und erfolgreich zu sein.

© PANSILVA