Vergessen am Eis

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Vergessen am Eis | story.one

Gestern, auf Story.one stach mir der Familiennamen eines Autors ins Auge, den ich aus meiner Kindheit in Krems kannte. Ein Blick ins User Dashboard bestätigte mir- es könnte Verwandtschaft bestehen. Dann am Abend, kam mir eine Begebenheit in den Sinn, die ich wohl in all den Jahren verdrängt hatte, lag sie doch sechzig Jahre zurück. Wir wohnten damals in einem Mehrparteienhaus , sehr nachbarschaftlich und freundlich hatten wir zu allen Familien Kontakt. Im zweiten Stock lebte jene Familie, deren Familiennamen mich erinnern ließ. Sie hatten drei Söhne, die etwas älter als ich waren.

Es war Winter und mangels anderer Sportmöglichkeiten in Krems , wurde auf den zugefrorenen Seitenarmen der Donau, die wie kleine Seen waren, eisgelaufen. Meine Mutter hatte mich hingebracht, mir die Eislaufschuhe angezogen und meine Straßenschuhe mit nach Hause genommen. Sie würde mich dann abholen, versprach sie. Es wurde dämmrig, die Eisfläche leerte sich zusehens und ich kurvte fast allein herum. Müde war ich auch schon und durchgefroren ,doch von meiner Mutter weit und breit keine Spur. Heimgehen mit den Eislaufschuhen war nicht denkbar, es war zu weit und würde die geschliffenen Kuven ruinieren. Ich war ziemlich verzagt und ratlos.

Da nahte die Rettung in Gestalt des Nachbarbuben aus dem zweiten Stock. Ich schilderte ihm meine Misere und dass mich meine Mutter vergessen hätte. Er zögerte nicht lange, lud mich huckepack auf seinen Rücken und trug mich nach Hause. Ich war ein ziemlich pummeliges Kind, er hat sich sicher abgeschleppt mit mir.

Warum meine Mutter auf mich vergessen hat, weiß ich heute nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich Werner unendlich dankbar war, dass er mich heimgebracht hat.

© PANSILVA 14.01.2020