Einspruch!

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Einspruch! | story.one

Sehr geehrte Damen und Herren,

Hiermit erhebe ich EINSPRUCH gegen die unter oben angeführter Geschäftszahl ausgestellte Strafverfügung.

Zu meiner Rechtfertigung führe ich an:

Ich habe mich gemeinsam mit meiner Gattin zum Zeitpunkt der angeblichen Verwaltungsübertretung nachweislich im Ausland, nämlich auf Urlaub in Athen, befunden.

Athen ist immer eine Reise wert. Ich empfehle Ihnen, es mir gleichzutun. Sie haben sicher einen Urlaub nötig (ob Sie ihn auch verdient haben, werden wir im Zuge des Verwaltungsverfahrens noch sehen). Wir wohnten in einem schönen Hotel, von der Terrasse des Frühstücksraums hatte man einen herrlichen Ausblick auf die Akropolis, der Kaffee dampfte in die milde Sonne und den wolkenlosen Himmel, während es bei uns kalt und grau war (siehe beigefügtes Foto 1).

Am Sonntag bestiegen wir die Akropolis inmitten von tausenden anderen Besuchern, die meine Anwesenheit allesamt bezeugen können. Guter Tipp für Sie: Am Sonntag ist der Eintritt gratis! Oben angelangt, stellte ich fest, dass meine Physiognomie derjenigen einer griechischen Götterstatue nicht unähnlich ist, und ich machte ein Selfie, auf dem ich wie Poseidon aussehe, finde ich (siehe beigefügtes Foto 2).

Am schönsten dort oben aber war meine Frau (siehe beigefügtes Foto 3). Finden Sie nicht auch, dass sie entzückend aussieht? Dass ich wahrhaft ein Glückspilz bin? Mit einer schönen Frau in einer schönen Stadt zu sein, fernab von jener öden Straße, in der ich zum fraglichen Zeitpunkt trotz allgemeinen Fahrverbotes gefahren sein soll - ist das nicht super? Jetzt geben Sie doch endlich zu, dass Sie mich beneiden!

Eine Straße, die nach dem offenbar sehr prominenten Vizepräsidenten der Donauregulierungskommission benannt ist: Wehlistraße. Ein allgemeines Fahrverbot (ausgenommen Radfahrer - typisch!) mitten auf einer geraden Stecke, die durch eine Gegend führt, die nicht einmal die Bezeichnung "städtisches Niemandsland" verdient. Vorher darf man fahren, dann ist es plötzlich verboten, dann darf man wieder fahren!

Nach Erhalt der von mir ignorierten Anonymverfügung, sechs Monate nach dem vermeintlichen Delikt, bin ich das verbotene Straßenstück ein paarmal auf- und abgefahren, mit dem Fahrrad natürlich. Ich schließe aber nicht aus, das ich das Funktionieren des unsichtbaren Radars hinter dem Steuer in Zukunft öfter testen werde! Mein Fazit: Der einzige Sinn dieses Verbots besteht darin, dass man sich fragt, wozu es gut sein soll.

Übrigens ist auch niemand zum fraglichen Zeitpunkt mit meinem Auto gefahren. Es wartete still und treu in der Garage auf mich. Wenn da jemand einsteigt, der anders aussieht als ich, fährt es mit Sicherheit keinen Meter weit!

Buchungs- und Rechnungsbestätigung für den Flug anbei. Der war auch ganz nett.

Ich bitte um ehestmögliche Bearbeitung zu meinen Gunsten - vergessen Sie´s bitte!

mit freundlichen Grüßen

Paul Gumhalter

© Paul Gumhalter 31.07.2020