Im Antermoia See

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Im Antermoia See | story.one

Ein Sprung ins kalte Wasser. 8° kalt, um genau zu sein. Aber darauf steh ich ja. Irgendwie. Vorhersehbar war das nicht. Eher eine Aneinanderreihung vieler Zufälle. Die Art von Zufall, wenn man stehenbleibt, zurückblickt, nachfragt, neugierig ist und keine Mühen scheut den Moment zu genießen.

Aber von vorne.

Es war Oktober 2019 und der dritte Tag unserer 5-tägigen Rosengartentour in den Dolomiten. Mein guter Freund Franky und ich waren auf dem Weg zur Antermoia See. Dort angekommen lag dieser in dichtem Nebel. Wir machten einige schlechte Fotos, sammelten ein paar Zigarettenstummel und produzierten noch ein kleines Video zum Thema Müll in der Natur.

Wir hatten gerade meinen "Stummelbeitrag" fertig gefilmt, die Hütte war in Sichtweite und wir freuten uns auf die verdiente Pause. Auf halbem Weg drehte ich mich um und der Anblick war atemberaubend. Wirklich. Der Nebel verzog sich immer mehr und nach ein paar weiteren Schritten offenbarte sich der Gral eines jeden Fotofans: Der perfekte Felsvorsprung, umgeben von türkisblauen Wasser und von einem jungen Südtiroler -Andrea – in Beschlag genommen.

Ich fragte freundlich, was er dort tue und bat ihn, ohne die Antwort abzuwarten, mal kurz zur Seite zu rücken. Wir machten unsere Fotos und erfuhren währenddessen, dass er die Temperatur misst. Nicht um zu prüfen, ob er ins Wasser springt, sondern um zu wissen, wie lange er drin bleiben kann. Tief beeindruckt verließen wir das Geschehen. Franky vor, ich rückwärts. Denn den Sprung wollte ich nicht nur sehen, sondern auch fotografieren.

Das Bild war gar nicht mal so schlecht, worauf ich nochmal zurückmusste, um es ihm zu zeigen. Er freute sich sehr und bat mich daraufhin noch eines zu machen. Er hatte eine ganz genaue Vorstellung vom Bildausschnitt und dafür mein größtes Verständnis. Andrea sprang und ich machte eine perfekte 10er-Serie. Wirklich perfekt. So perfekt, dass ich genau so ein Foto auch haben wollte. Und wenn ich dafür in 8° kaltes Wasser springen musste.

Und ich sprang. Und es war kalt. Richtig kalt. Kälter, als ich mir kalt jemals vorgestellt habe. Und ich springe oft und gerne in kaltes Wasser. Hechelnd und nach Luft ringend am Ufer angekommen, holte ich mir erstmal meine Portion Anerkennung und gleich danach dieses einzigartige Prickeln auf der Haut ab. Jede Zelle ist wach, verzückt und aufgeregt. Oder einfach nur in höchster Alarmbereitschaft. Aber ein bisschen Adrenalin hat ja noch nie geschadet.

Andrea erzählte mir dann, dass er nur drei Menschen kennt, die jemals in den See gesprungen sind. Er, sein Großvater und ich. Dass dieser Ort magisch für ihn ist und unser Treffen etwas sehr besonderes. Dass es ihn glücklich macht, diesen Moment und diese Leidenschaft für Sprünge ins kalte Wasser zu teilen. Und dass dies nun für immer auf den ersten und einzigen Fotos festgehalten wurde.

Der Schüttelfrost sollte noch eine Stunde anhalten, aber die Wärme des Moments, ist für immer in meinem Herzen. #bergerlebnis

© PennyFox 12.04.2020