Ein katzenhaftes Abenteuer

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Ein katzenhaftes Abenteuer | story.one

Unlängst schrieb ich über das Katzenpalais, erinnert ihr euch? Wochentags dachten wir daran, auch nahmen wir den abgeschiedenen Ort mit in unsere Gespräche auf, der außerhalb von Haracsony und Szabadbáránd liegt, und wie es der Zufall mit Laune und Wetter will, entschlossen wir uns nach dem Mittagessen in den Bus zu steigen. Tatsächlich wünschten wir uns öfters Zeit dafür zu finden, die zusammengefundene, verspielt flauschige Katzenkohorte gibt uns nach wie vor große Rätsel auf. Wer füttert die Fellknäuel in unserer Abwesenheit, mitten im Wald gibt es wohl kaum viel zu fressen, aber Katzen sind geschickte, mehr als findige Jäger. Nichtsdestotrotz, auch um unser Gewissen zu beruhigen, schleppten wir zu zweit einen Sack Katzenfutter mit -, das hat lustig ausgesehen, das kann ich euch sagen, mit Corona-Maske und Katzenfutter in der Busreihe sitzen.

Als wir die Maske los waren, der miefige Busgestank noch eine Weile in der Nase blieb, schleppten und schwitzten wir uns die Straße entlang.

Die Katzen waren teilweise schon ausgehungert, darum fraßen sie erstmal genüsslich, Wasser gab es in einer Regentonne, die irgendwer irgendwann mal aufgestellt haben mochte, und wieder fragten wir uns wie alt das Haus, worin die Katzen hausten, eigentlich ist? Eine Mischung aus dem grimm’schen Knusperhäuschen und dem Blair Witch Anwesen; ein schaurig-baufälliger Kasten, dennoch Sonnen- sowie Regenschutz für die Fellbälle.

Zwei der ungeschickten Flauschkugeln rettete ich vom Dach und wäre selbst fast abgestürzt. Zari zitterte unterhalb und gab Abweisungen wohin ich treten sollte, bis ich schließlich mit je einer Katze auf einer Schulter herunterkam. Die Ausreißer waren eingefangen, ein Duett aus Miauen war auch schon der einzige Lohn, den ich erhielt, aber das war mir recht. Welch Geheimnisse liegen hinter Katzenaugen und was haben diese schon alles gesehen? Die Katzen wirkten keinesfalls krank, dennoch holten wir vom Sportplatz sauberes Wasser in einem geflickten Kübel, wuschen ein paar Vierbeiner, die sich abfingen ließen, und befreiten sie von Staub und Unrat.

Zarina und ich kamen auf den Film „A Whisker Away“ zu sprechen und dieser zauberhaft versteckte, hinter Sträuchern und Gras verborgene Ort regte unsere Fantasie an, und alles um uns herum schien plötzlich so lebendig und schön. Der sonnige Tag trotz Geziefer und Fliegen öffnete sein Himmelsdach und ließ den gesamten wie aus dem Wald geschnittenen Flecken in schillernd-flirrenden Farben erstrahlen. Rund um uns herum hörten wir melodiöses Miauen und Schnurren -, worüber sich die Fellbüschel unterhielten? -, und plötzlich schienen sie sich zu multiplizieren, kamen sie aus allen Teilen der Hütte und aus dem Dickicht heraus, bis sie wie ein wartender, folgsamer Tross sich vor uns aufreihten. Zari und ich rückten zusammen, aber als die Katzenschar mit den hübschen magisch großen Augen uns anstierten, wussten wir es: Mit ihrem Miaukonzert wollten sie uns Dank sagen!

© Periwinkle 01.08.2020