NACHHILFE VON "GOTT AMOR" AM BAUERNHOF

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NACHHILFE VON "GOTT AMOR" AM BAUERNHOF | story.one

Hochsommer 1960: Sommerfrische - so hieß dies noch -in Nußdorf am Attersee. Meine Großeltern wohnen beim Dorf - Tischler und nehmen mich in ihr Urlaubsdomizil mit. Und ich entdecke eine neue Kategorie:"Verliebt-Sein". Am Badestrand oder im einzigen Kaffeehaus. Ich flirte und werde "beflirtet". Erste Küsse werden ausgetauscht. Und da muss es doch noch mehr geben? Immer wieder ertappe ich die etwas Älteren dabei wie sie paarweise in die Umkleidekabine verschwinden. Dann kommen Sie nach 10 oder 20 Minuten etwas zerzaust aus den hölzernen Kojen. Wenn ich meine Kumpel frage, was sie da gemacht haben, grinsen sie und sagen"Du bist noch zu klein..". Irgenwie verliere ich bei so viel Geheimniskrämerei die Lust an diesen "Flirt-Spielen" . Dafür beginne ich mich für die Welt der Bauern zu interessieren. Direkt neben meinem Ferien-Domizil findet sich der schönste Bauernhof von Nussdorf. Das Ehepaar Kraus hat keine Kinder, aber eine Nichte - Annamirl -ist auserkoren, einmal den Hof zu übernehmen. Das bildhübsche Mädel war zwei Jahre älter als ich und begann prompt mit mir zu flirten. Worauf sollte das wieder hinauslaufen -bei meiner Ahnungslosigkeit... In meiner Verwirrtheit begann ich mich immer mehr in den Tagesablauf der Bauern zu integrieren: 5 Uhr frisches Gras für die 10 Kühe mähen, 7 Uhr Frühstück, anschließend Erdäpfel-klauben, Heu-Machen dann Melken.Um 14 Uhr war das "Tagwerk" vollbracht und ich wechselte vom Amateur-Bauern zum Badegast am See. Aber dann kam die große "Wende": am Bauernhof der Familie Kraus gab es noch einen 17-jährigen Knecht namens Erwin. Er war ein bildschöner schwarzhaariger Typ, der es - wie er mir bald gestand - zum "Dorf-Don Juan" gebracht hatte. Und dieser "Frauenversteher" begann meine Informationslücken in Punkto "Flirten" zu schließen. Er demonstrierte an seinem "besten Stück" den Unterschied zwischen "schlafend" oder "erregt". Er ließ mich sogar hinfassen:"Aber pass auf, dass ich nicht zu rasch zur Sache komme - ich habe heute noch 3 Freundinnen zu bedienen". Dann folgten technische Details über den "Vollzug" und eine erste Instruktion in Sachen "Empfängnisverhütung". So kam es, dass ich im Sommer 1960 im Alter von 15 Jahren um 5 Uhr früh am Bauernhof in die Welt des Flirtens und alles drum herum eingeweiht wurde.

Wie die Geschichte weiterging: meine ersten praktischen amourösen Erfahrungen besorgte ich mir in Wien: Schulklasse hin, Turnverein her. Als ich im Sommer 1961 wieder nach Nussdorf am Attersee kam war die Welt anders. die Hoferbin wurde von einem "standesgemäßen" Jungbauer verehrt; mein Nachhilfelehrer Erwin hatte seine eigenen Verhütung- Tipps nicht vollständig befolgt befolgt: er hatte 2 Dorfschöne geschwängert...Und meine Träume von der Bauern-Welt? Ich erlebte den Vormarsch der Technik. es gab Traktoren und Melkmaschinen. Und ich hasste Technik und kreischende Kreissägen. Immerhin: es blieb der Sommer 1960!

© Peter Dusek 06.08.2019