Erwartungshaltung

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Erwartungshaltung | story.one

In den Weihnachtsferien fuhren meine Freunde und ich am Nassfeld Schi. Wir genossen es, als Erste unsere Spuren in die perfekt präparierten Pisten zu zeichnen. Am frühen Nachmittag fuhren wir über die Grenze zum Italiener. Die Calamari, Spaghetti und Pizzen schmeckten wie immer ausgezeichnet. Nach der Heimfahrt gab es bei mir noch einen Abschlussdrink, unterlegt mit den jeweiligen Lieblingshits.

Ein perfekter Tag, könnte man meinen. Wenn da nicht diese Gedanken an meinen ersten Nassfeldschitag vor 30 Jahren wären: keine großzügig ausgebauten Straßen, die Busfahrt dauerte eine kleine Ewigkeit, vorwiegend Schlepplifte und ein langer Einzelsessellift, auf dem einem alles abfror. Ohne Reisepass gab’s auch keine Pizza. Aber die damalige Begeisterung, die fehlt mir heute. „Irgendwann kann alles zur Selbstverständlichkeit werden. Das Besondere verliert seinen Reiz“, erklärte ich mir meinen Zustand.

Was tun? Eine Möglichkeit besteht darin, die eigene Erwartungshaltung von vornherein zurückzuschrauben, im Sinne von George Bernard Shaw: „Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe.“

Noch ein Gedanke tauchte auf: Dieses positive Körpergefühl nach den auf meine individuellen Bedürfnisse abgestimmten Trainingseinheiten hat sich über die Jahre nicht abgenützt. Im Gegenteil, die Dampfdusche verstärkt es noch. Einziger Nachteil – dieses einzigartige Gefühl muss ich mir immer wieder aufs Neue erarbeiten. Mache ich gerne.

© Peter Gurmann 24.08.2019