Die Auster

Man kann nun einer Auster kaum Intellekt unterstellen, wenn auch gewiefte Evolutionisten sicher eine direkte Verwandtschaft zum Menschen herstellen könnten, gäbe man Ihnen einen hochdotierten Auftrag dazu, schließlich verwenden ja einige Leute das Wort „Du dumme Auster, Du“ und das muss ja einen entwicklungsgeschichtlichen Grund haben. So könnte die Austern-Mensch-Theorie lauten.

Andere schlürfen, im Falle der direkten Verwandtschaft kannibalisch, die unseren grauen Zellen entfernt ähnelnde Masse mit Begeisterung zur Steigerung der Potenz, allerdings nicht unbedingt der geistigen. Das wiederum wäre, nach einer Theorie manche Evolutionisten, Gehirn-Genuss wäre Intelligenz fördernd, und hätte die Entwicklung der Primaten zum homo sapiens bescheunigt, ein Grund dafür, dass sich der Teil der Menschheit, die den Schlürfgenuss ihrer noch nicht bewiesenen nahen Verwandten, eher steil bergab entwickelt. Das erkennt man an den Lauten, welche die Schlürfer, speziell die, welche Schnaps, hierzulande Genever als Gleitmittel der wabbeligen, gehirnähnlichen Masse verwenden, von sich geben. Doch mit Champagner geht es auch.

Diese Töne erinnern wiederum an die Laute, die unsere angeblichen Dreiviertel-Primaten-Vorfahren in den angeblich wissenschaftlichen Filmen beim angeblichen Genuss der Schädelinhalte ihrer Nachbarn aus dem Neandertal, die den armen Schauspielern in den Mund gelegt werden, als ob man Tonaufzeichnungen aus dieser Zeit gefunden hätte. Im Übrigen sind doch die Darsteller doch durch ihre zerfetzten Haut- und Fell-Kostüme und die zu spielende artistische, gliederverrenkende Mimik und vorwiegend am bodenkauernde Körperhaltung genug gestraft. Nein nicht genug, auch noch : aah, gulp, glucks, Ah- chA UchU – Oinkkgrunz Huaa!

Also doch kein Intellekt bei der Auster. Denn sie kann ja nicht einmal das.

Diese Gedanken drehten sich in meinem Kopf, um sich selbst und wieder zurück, beim Spaziergang an der Western-Schelde, da wo die festungsgleichenden Container-Monster-Schiffe, auf ihrer Fahrt aus der Nordsee nach Antwerpen und wieder zurück, für Brandung sorgen.

Und da ruhen sie im Gras, immer wieder, dem Weg entlang, die Reste der steinharten Austern-Panzer, offenbar mit den herumliegenden großen Kieseln zerschlagen, von Anonym zersplittert, vertilgt, zur angeblichen Luststeigerung

Oder waren es vielleicht irgendwelche der vielen herrlichen Vögel, die dort leben, oder sogar Robben. Gesehen habe ich jedenfalls den Vorgang des Austern-Mordes noch nie obwohl man mich in letzter Zeit öfters in dieser Landschaft antreffen kann, überhaupt an Abenden, wie diesem. Es schiebt sich der Vollmond aus der Schelde ist, dunkelorange auf Regenbogenfarben-Pastellgrund. bestrahlt, ein Riesenkasten, Arche Noah gleich....

Hallo, Du“ klang es aus dem Gras an meine Ohren. Ganz leise, gedämpft, wie aus einer kleinen, ovalen, steinharten, perlmutterbeschichteten Höhle, „Hallo, Du“.

© Peter Kutzer-Salm