Wiener Bürgergeschichten- Feste Feiern

„Die Feste“ waren im Hause Kutzer durch immer wieder-kehrende, sich gleichende, oft auch identische flankierende Maßnahmen begleitet, wie wahrscheinlich in den meisten Haushalten. Irgendwie ein permanentes Dejavue. Was vielleicht bei anderen Familien anders war, WIR feierten nicht unbedingt an den dafür im Kalender vorgesehenen Daten. Einmal wurde der sogenannte „Heilige Abend“ aus beruflichen Gründen verschoben, was keinen wirklich störte, weil ja die Tage um den 24.Dezember bis Neujahr durch eine geballte Ladung an familiären Anlässen überfüllt war. Also wurde ohnehin ständig gefeiert, mehr ideell als materiell. Man konnte sich damals ja kaum was leisten.

Ziemlich früh schon hatten Gedenktage zur Wiederkehr selbsterlebter oder selbstfestgesetzter Ereignisse den gleichen , wenn nicht sogar einen höheren Stellenwert als die Mysterien des Kirchenjahres. Kennlerntage, Verlobungstage, Hochzeitstage, sogenannte 2te Geburtstage zum Gedenken an überlebte Todesnähe-Erlebnisse, wie Diphtherie, Bombenangriffe oder sonstige Ereignisse aber auch zur Erinnerung an spontane „Glücks-fälle“.An solchen Tagen kam da Papa, also Friedrich Kutzer, voller bepackt als sonst, mit für damals kulinarischen Kostbarkeiten in den Augen armer Leute. Und das waren wir ja trotz oder gerade wegen der Tatsache, dass man Hausbesitzer war. Da war es eben kostbar eine Suppe zu essen, die einen aus dem Teller mit mehr als nur einem Auge ansah.

Der bürgerliche Mittelstand lebte in den 50ern eben ohne jeglichen Überfluss und Luxus. Das oder jenes konnte man sich eben nicht leisten, eigentlich weder das noch jenes, doch zahlen konnte man es eben doch und so lebte man mit einem großen Vertrauen in das Morgen und das oberste Stockwerk des Universums.

„Hoffen wir halt das Beste“ war ein Ernst Kutzer-Motto, das er eigentlich weitervererbt hat. Ein Kutzer-Gen Muster.

In der Schule bemerkte man die Mittellosigkeit daran, ob jemand vom „Schulgeld befreit“ war oder nicht. Oder ob jemand einen Zuschuss des Elternvereines zur Landschulwoche bekam oder am Ersatzunterricht teil-nehmen musste. Diese Familien hatten offensichtlich noch weniger als nix. Auch das Milchgeld, oder nicht, war ein Kriterium.

Doch waren wir, die Kutzerfamilie in Herz und Sinn reich, steinreich, voller Pläne und Abenteuer im Kopf und in den Bilderbüchern Großvaters, die ja damals noch entstanden.

Oder er war damit beauftragt mit Umzeichnen und teilweise Neuzeichnen alter Bücher. Manche Verlage gab es wieder und sie hatten auf „den Kutzer“ nicht vergessen.

Und manche hatten ihn erst entdeckt. Vielleicht „fand“ Großvater aber auch in einer Lade zwischen gestapelten Ziehungslisten der Klassenlotterie den einen oder anderen Geldschein. Und dann konnte Peterle doch noch im letzten Moment auf die Landschulwoche mitfahren. Und das war schon wieder ein Grund zum feiern.

Fortsetzung folgt

© Peter Kutzer-Salm