Maskenball

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Maskenball | story.one

Menschen meiner Generation werden sich an die Rockgruppe „Kiss“ erinnern, die sich eines Tages – von niemandem für möglich gehalten – nach einem Jahrzehnt im Jahr 1983 unmaskiert präsentierte; und schon erschienen die Gesichter der Gruppenmitglieder weit weniger furchterregend und man konnte ihre wahren Gesichtszüge erkennen.

Dies führte mich - in Erinnerung an diese Gruppe - zur Frage, wann denn wir wieder de- bzw. unmaskiert unser wahres Gesicht bzw. die ungeschminkte Wahrheit, sei es im Büro oder in öffentlichen Verkehrsmitteln zeigen und die Maske an den Nagel hängen können?

Um offensichtlich das Maskentragen erträglicher zu machen, sieht man derzeit Masken in verschiedenen Farben, Formen (alles gut bedeckend, versteht sich) und bestückt mit diversen Motiven. Es scheint sich fast ein Modetrend entsprechend dem Credo „Welche Maske ist die Schönste im ganzen Land“ zu entwickeln.

Alle diese Versuche können aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass das Tragen dieser – wenngleich aus medizinischer Sicht jedenfalls notwendig – gewisse Abnützungstendenzen zeigt und dem einen oder der anderen schon etwas am Nerv zerrt. Noch haben wir die Sommertemperaturen – oft weit jenseits der 30 Grad-Celsius-Marke – nicht erreicht; dennoch ist zu erwarten, dass neben den feuchten Stellen unter den Achseln (gut sicht- und riechbar als Fleck am Hemd) nun auch triefende Masken hinzukommen.

Auch für normal transpirierende Menschen wird – vor allem in vollen U-Bahngarnituren – diese Tatsache für Nase und Augen eine zunehmende Herausforderung darstellen. Somit wird wohl der Ruf hörbar lauter werden, dem Maskentragen ein Ende zu setzen – denn das Luftholen unter Hitze, wird uns allen zunehmend schwieriger fallen. - Umso mehr gilt meine volle Bewunderung all jenen, die schon immer von Berufs wegen Schutzmasken tragen müssen und denen trotz körperlich anstrengender Arbeiten die Luft nicht ausgeht.

Ich selber bin - trotz allem - erstaunt, wie sehr man/frau sich an den „Maskenball“ gewöhnt hat. Bei meinem ersten Trageversuch in der U-Bahn schien ich dem Erstickungstod nahe, jetzt nach einigen Wochen gehört diese zum täglichen Utensil, wie die Uhr am Handgelenk oder das Handy in der Tasche. Selten habe ich diese vergessen und wenn doch, wurde ich dafür von bösen Blicken meiner Umgebung gestraft.

Masken sind – um Infektionen aller Art abzuhalten – aus medizinischer Sicht unabdingbar, verdecken aber den Mund als Ausdrucks- und Kommunikationsmittel in seinen verschiedensten Facetten. Augen-Blicke können diesbezüglich zwar einiges wettmachen, aber „unmaskiert“ kommuniziert es sich dennoch wesentlich leichter.

© Peter Laimer