Treffen mit Steffen

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Wie ich schon in einer meiner früheren Geschichten erzählt habe, arbeite ich seit über 30 Jahren in einem Wohnhaus für Menschen mit besonderem Betreuungsbedarf. Schon recht bald nach meinem Arbeitsantritt war allen in diesem Haus klar, dass es sich bei mir um einen „eingefleischten“ Rapid Fan handelt.

Dieser Umstand hatte natürlich auch für einige meiner „Männer“, sprich Bewohner der Wohnung in der ich meine Arbeit versah, so seine Auswirkungen. Ein Teil amüsierte sich über meine Gefühlsausbrüche, wenn ich die „Rapid Resultate“ erfuhr, der andere Teil wiederum schlug sich voll auf meine Seite und freute oder litt mit mir. Zwei von ihnen, Markus und Gerald, waren schon zuvor „Grün Weiße“ und intensivierten ihre Leidenschaft an meiner Seite noch einmal zusehends.

Natürlich nützten wir jede Gelegenheit, soweit es der Dienstplan zuließ, unsere „Rapidler“ bei den Gastspielen im Linzer Stadion anzufeuern. Der große Wunsch der beiden, den einen oder anderen ihrer Idole aus der Nähe zu sehen, ihnen die Hand zu schütteln oder gar ein gemeinsames Foto zu machen, blieb ihnen aber lange verwehrt.

Im Juni 2015 überraschte uns dann eine Arbeitskollegin mit der Information, dass Rapid Wien zu einem Trainingslager ins nahegelegene Bad Zell kommen würde. Dort sollten die Fans am Abschlusstag dann auch Gelegenheit haben, die Spieler „hautnah“ zu erleben. Für uns drei war das natürlich wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk mitten unterm Jahr.

Als der Tag gekommen war, machten wir uns auf nach Bad Zell. Es war einfach toll, die Spieler und den Trainerstab eine Stunde lang, ganz aus der Nähe sehen zu können und nach einer Stunde Show Training, durften alle Besucher auf das Spielfeld. Mit jedem Schritt auf den grünen Rasen stieg jetzt auch die Nervosität meiner zwei Begleiter. Wir standen nun auf einmal zwischen all jenen Menschen, die wir sonst nur von den Sportübertragungen im Fernsehen kannten. Als ich Markus und Gerald dann aufforderte, mit mir zu Steffen Hofmann zu gehen und ihn, um ein gemeinsames Foto zu bitten, wurden meine beiden Männer ziemlich kleinlaut. Es vermischte sich Verlegenheit und Vorfreude in ihren Gesichtern, aber sie folgten mir tapfer.

Als wir dann vor Steffen standen, er uns freundlich anlächelte und seine Arme auf unsere Schultern legte, waren wir drei einfach glückliche Menschen. Gut, dass uns an diesem Tag meine Frau und meine Arbeitskollegin begleitet haben, denn sonst wären diese Augenblicke zwar für immer in unserer Erinnerung gespeichert geblieben, aber Foto hätte es keines gegeben.

Dieses Foto, auf dem glückliche Fans mit Steffen Hofmann zu sehen sind, hängt seit jenem Tag in unseren Zimmern und wir wurden in unserer Überzeugung bestärkt, dass der „Fußball Gott von Rapid“ einfach ein ganz toller und außergewöhnlicher Mensch ist.

© Peter Schwanter