"Wer ein Warum zum Leben hat..."

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"Wer ein Warum zum Leben hat..." | story.one

Viktor Emanuel Frankl stellte das Nietzsche Zitat „Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie“ gewissermaßen in den Mittelpunkt seines Lebens und seines Schaffens. Seit ich sein Buch „Und trotzdem ja zum Leben sagen“ Ende der 1970 er Jahre das erste Mal gelesen habe, ist auch mir dieser Satz so etwas wie ein Wegweiser geworden.

Wie schnell bin ich oft in „tiefe Betrübnis“ verfallen, wenn nicht alles so geklappt hat, wie ich es mir in meinen Träumen ausgemalt und in meinen Vorstellungen geplant hatte. Die Worte die ich dann von meinen Eltern und anderen Erwachsenen hören durfte, waren dann für mich eher wenig ermunternde Phrasen wie: „Wennst in dein Leben nie größere Probleme hast, dann sei froh!“, „Es kann sich halt nicht jeder Traum erfüllen!“ oder „Du wirst noch auf ganz andere Sachen verzichten müssen!“

Das stimmte auch, aber ich war nicht heiß auf diese Kommentare und habe begonnen meine Sichtweise ein wenig zu „reformieren“. Es war mir schon klar, dass Frankl mit seinem Leitsatz versuchte die Schrecken seiner KZ Zeit in etwas Positives oder Helfendes zu transferieren. Ich aber war der Überzeugung, wenn es möglich sein sollte solchen unvorstellbar schrecklichen Dingen einen Sinn zu geben, dann müsste diese Methode auch bei weitaus kleineren „Lebensungereimtheiten“ hilfreich sein. Und sie war es und ist es.

Ich durfte oftmals in meinem Leben die Erfahrung machen, dass, wenn ich eine bedrückende oder gar Angst einflößende Situation durchlebt hatte und die Phase der Wut oder Enttäuschung nachließ, ich mich schnell auf die Sinnsuche machen wollte. Es war mir gar nicht so wichtig, alle Zusammenhänge zu erfassen. Vielmehr lag mir am Herzen, was ich daraus lernen konnte, was die Quintessenz des Erlebten für mich sein konnte. Also kein Graben in der Vergangenheit, die ohnehin nicht mehr zu ändern gewesen wäre, sondern ein Sondieren in der Gegenwart und der Versuch, für das Zukünftige, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Jetzt bin ich wieder dabei, meine Zukunft in hellere Farben zu tauchen. Lange genug habe ich mir Gedanken gemacht, über die Auswirkungen, die die jetzige Weltlage, für mich bereithalten würde, wie dem entgegen zu wirken sei und so weiter und so weiter.

Meine Conclusio aus diesen Wochen des Nachsinnes: Mit Zuversicht und einem Urvertrauen auf das, was mir bis jetzt in meinem Leben gelungen ist. Mit ein bisschen Übermut, der mich auch in meinen dunklen Zeiten, ob seiner Absurdität zum Lachen gebracht hat. Und mit einer ordentlichen Portion Vertrauen in den Nazarener, der für uns am Ostersonntag den Tod besiegt hat. Auch alle Propheten und Vertreter der anderen Glaubensrichtungen sind mir herzlich willkommen, wenn sie mich (uns) dabei unterstützen das „Warum“ in uns zu finden und im Auge zu behalten.

© Peter Schwanter 18.04.2020