Hoffnung auf ein Leben in Sicherheit?

Ein Verein wird gegründet, wir möchten Flüchtlingen helfen damit sie sich bei uns orientieren können.

Wir helfen beim Deutsch lernen, wir wandern zusammen und kochen die Spezialitäten ihrer Heimat. In der Flüchtlingsunterkunft außerhalb der Ortschaft sind Menschen aus den verschiedensten Kulturen auf engstem Raum untergebracht. Die vier Burschen von meiner Gruppe hole ich zum Deutsch praktizieren mit dem Auto zu mir nach Hause. Wir arbeiten im Garten und setzen reparaturbedürftige Fahrräder instand. Sie sind geschickte Handwerker und mit Umsicht und Freude bei der Arbeit. Junge Männer die voll Hoffnung an ein Leben in einer besseren Zukunft denken. Abdur aus Pakistan, schiitischer Paschtune, von den sunnitischen Taliban verhasst wie Christen. Der Hazara Ali, ein schiitischer Afghane, der im Iran geboren wurde, seine Eltern sind vor den Taliban geflüchtet. Mohamad ein Hazara, er ist Schiit und deshalb bei den sunnitischen Taliban in Afghanistan unerwünscht und Amanuel aus Eritrea, ist vor der Militärdiktatur zuerst nach Äthiopien geflüchtet und dann nach Österreich.

Die Burschen freuen sich über die Abwechslung in ihrem ereignislosen Alltag. Verurteilt zum Warten auf irgendeine Information der Asylbehörde sind sie dankbar für jede Information über das Land in dem sie in Zukunft leben möchten.

Freudig begrüßen mich die Burschen mit ihren ersten Worten auf Deutsch: Guten Tag und hallo! Wie geht es Ihnen? Während der Fahrt zu mir nach Hause versuche ich mehr über sie zu erfahren, woher sie kommen, wie lange sie schon in Österreich sind. Die Namen teilen sie mir bereitwillig mit. Aber dann wird es schwieriger. Die Muttersprachen sind Paschtu, Amharisch, Dari oder Farsi. Ein paar Begriffe in Englisch wissen alle vier.

Bei unseren Treffen ein paar Mal in der Woche, bei den Deutschübungen und den Ausflügen in die Berge der Umgebung haben wir viel Spaß. Wir lachen viel über die holprig ausgesprochenen deutschen Wörter. Und über die Satzstellungen wenn wörtlich übersetzt wird. Sie wundern sich über die schwierige Grammatik und dass es für alle Dinge ein eigenes Wort gibt.

Mit den immer besser werdenden Deutschkenntnissen erzählen sie, während unserer Bergwanderungen, nach und nach immer mehr über ihre Fluchtgründe. Über ihre Familien die sie verlassen haben und über die Lebensbedingungen in den fremden Ländern. Dass Kinder ganz selbstverständlich zur Arbeit gehen, dass kaum Zeit bleibt in die Schule zu gehen. Wie sie der Polizei und den religiösen Fanatikern schutzlos ausgeliefert sind. Und auch über die Armut. Mohammad erzählt: "Nicht viele Essen, viele kalt, nicht Jacke"

Nach mehr als vier Jahren warten auf einen positiven Aufenthaltsbescheid, bei uns bestens integriert, sind sie hier zu Hause. Das Land aus dem sie geflüchtet sind ist ihnen keine Heimat mehr. Sie sind dort verloren, sind ohne Chance auf eine gute Zukunft, die ihnen bei uns offen stehen würde. Sie leben in ständiger Angst vor der Zukunft.

© PeterBamm