Pakistan, leben in ständiger Gefahr.

Die Familie von meinem Freund Abdur besitzt im Nordwesten von Pakistan eine große Gärtnerei, Obst, Gemüse und verschiedenste Kräuter werden geerntet und bis nach Dubai geliefert. Die Winter in der Gegend sind kurz aber kalt, mit sehr viel Schnee. Die anderen Jahreszeiten haben ideales Klima für den Gartenbau. Ausreichend Wasser kommt aus den weißen Bergen im Grenzgebiet zu Afghanistan.

So hätte die Familie und das ganze Dorf ein gutes Leben und Auskommen wenn nicht die religiösen Fanatiker die „Taliban“ alles bedrohen würden.

Abdurs jüngerer Bruder ist selten zu Hause, er studiert Maschinenbau. In den Sommermonaten hilft auch er in der Gärtnerei. Die kleine Schwester freut sich jedes Mal wenn ihr Bruder nach Hause kommt, möchte von ihrem Bruder alles wissen, will auch studieren, sie träumt davon Ärztin zu werden.

Von einer Marktfahrt kommt Abdur eines Tages nicht nach Hause. Die Familie macht sich große Sorgen. Schon einmal wurde er bei einem Anschlag auf den Obstmarkt durch Bombensplitter verletzt. Auch kommt es immer wieder vor, dass die sunnitischen Taliban Busse anhalten und schiitische Leute gefangen nehmen um Geld zu erpressen. So war es auch! Er wurde in die Berge verschleppt und zur Arbeit in Tunnelanlagen, die als Lager und Unterkunft dienten, gezwungen. Die Taliban versuchten die Familie zu erpressen. Der Vater weigerte sich zu bezahlen und schaltete die Polizei ein.

Das Lager der Verbrecher wurde von der Polizei mit Hubschraubern angegriffen und Abdur gelang die Flucht. Nach einem langen Fußmarsch in einer ihm unbekannten Gebirgsgegend bekommt er Hilfe in einem kleinen Bergdorf, man gibt ihm zu Essen und bringt ihn in die nächste größere Stadt.

Sein Vater holte ihn ab und bringt ihn nach Hause. Das Haus darf er jetzt nicht verlassen. Die Taliban haben überall ihre Spitzel. Ein Freund der Familie hat ihm geraten nach Europa zu fliehen. Mit seiner Hilfe ist er über Afghanistan in den Iran gekommen. Von dort ist er über die Türkei, Griechenland und die Balkanroute nach Österreich gelangt. Abdur hat hier um Asyl angesucht.

Eines Tages hat er mich ganz verstört angerufen er möchte mit mir sprechen, er muss sofort nach Pakistan zu seiner Familie, ich soll ihm helfen.

Die Taliban haben im Garten Sprengfallen ausgelegt, sein Vater und seine kleine Schwester wurden schwer verletzt. Dem zehnjährigen Mädchen mussten beide Beine amputiert werden und der Vater verstarb ein paar Wochen später an seinen Verletzungen. Ein hinterhältiger Racheakt der Taliban.

Eine Rückkehr nach Pakistan ist wegen der tödlichen Gefahr, die ihm in der Heimat droht, nicht möglich. Und so bekam er von den österreichischen Behörden einen positiven Aufenthaltsbescheid. Schnell hat er Arbeit gefunden. Abdur blickt zuversichtlich in eine gute Zukunft in Österreich und hofft dass auch seine Verlobte bald nach Österreich kommen kann.

Wenn er in Pakistan in Frieden und Sicherheit leben könnte möchte er wieder zurück, Pakistan ist seine Heimat.

© PeterBamm