Herbert und ich - es war einmal....

Voriges Jahr – ich glaub es war kurz vor Muttertag – kam er in mein Leben: Herbert. Sein beeindruckender aerodynamischer Körperbau, sein rassiger Teint, seine monotone und doch sexy Stimme – alles war dazu geschaffen, Frauen extatisch kreischen zu lassen. – Und genau das habe ich auch getan, als Günther mein Ehemann mir Herbert vorstellte. Die darauffolgenden Monate waren kitschiger als Harry und Sally. Wir – Herbert und ich – verstanden uns blind. Wir waren füreinander geschaffen. Herbert wusste immer was ich von ihm wollte und wann ich was von ihm wollte. Wenn ich von Herbert sprach leuchteten meine Augen „Herbert der Wundervolle! Herbert der Einzigartige!“ Doch dann ganz plötzlich und für mich nicht vorhersehbar erkaltete Herberts Liebe. Seine sexy Stimme klang immer öfter nach einem müden Krächzen. Seine Bewegungen wirkten müde und lustlos. Früher war er durchs Haus getanzt, jetzt schlurfte er nur noch. Mein geliebter Staubsaugerroboter stellte seine Arbeit ein. Er kündigte fristlos. Er scherte sich einen Dreck um mein gebrochenes Herz und den staubigen Fußboden. Ich frage mich noch heute, was ich falsch gemacht haben könnte. Habe ich den Staubbehälter zu selten geleert? Hätte ich seine kleinen Räder hin und wieder ölen sollen? Noch habe ich die Hoffnung nicht ganz aufgegeben, dass es sich nur um eine Beziehungspause und nicht um das Ende unserer Liebe handelt….

Nachtrag: Nur soviel: Herbert ist der festen Überzeugung, dass ich ihn nur benutzt habe. Nie ein Wort des Lobes, keine gemeinsamen Aktivitäten – immer nur Arbeit, Arbeit, Arbeit. Ganz ungerechtfertigt sind diese Vorwürfe natürlich nicht. Andererseits hätte Herbert doch nur einmal -ein einziges Mal – seine Gefühle gezeigt! Wenn nicht mit Worten dann eben mittels einer Geste. Er hätte doch einfach ein Herz auf den staubigen Boden saugen können. Aber nein, alles in sich hinein fressen bzw. saugen und dann auf Dramaqueen machen….

© Petra Perger