Gefühlssache / Mama

Als ich Sexismus in den angeblich so davon verseuchten Ländern im islamischen Raum vermisste, habe ich es noch nicht kapiert. Ich habe alles so genommen, wie es mir in die Arme fiel, mehr oder weniger.

Es ist doch wirklich zu schade, dass manch gut Ding nicht von Bestand ist. Ich meine da zum Beispiel derart erfreuliche Erlebnisse wie, dass man irgendwie ernster genommen wird, als man sich eventuell selbst nimmt. Momente, die das Urvertrauen untermauern.

Die paar Seitenhiebe taten da erstmal nicht weh. Ich wusste ja, nichts schwindet nicht mit der Zeit. Auch ich bin nicht ewig, also fokussiere ich mal auf diese Enttäuschungen, die mir erspart blieben, obwohl ich, der ich recht viele Privilegien genoss, das Schicksal ja geradezu herausforderte.

Gänzlich unverkrampft bin ich dennoch noch immer nicht. Das wurde mir heute prompt wieder bewusst. Bei aller Achtsamkeit, ich habe anscheinend im ach so sozialen Netzwerk etwas mehrdeutiges von mir gegeben.

Normalerweise ist Ignoranz das Böseste, was einem auf so etwas hin passieren soll. Nicht wahr? (Ich schreibe mich auch frei, um meine neue Liebe, euch, die story.one-Community zu zelebrieren.)

Ja, diesmal habe ich einmal verstanden, weshalb mein Papa Facebook gerne als "asoziales Netzwerk" bezeichnet. Ohne jemals etwas gegen einen der User gehabt zu haben, versteht sich.

Man denkt auch immerzu, die Arme seines Liebsten wären ein trautes Land, das zu einem gehöre wie sonst etwas.

Das tut es aber nicht.

Zumindest nicht dann, wenn der Liebste sich seinerzeit gerne in sogenannten sozialen Netzwerken umtreibt und du keine Ahnung hast, wie sehr sympathisch dich nun die ganzen fremden Gespenster aus den Chats im Grunde fänden.

Ich postete also, ausnahmsweise einmal etwas Kritisches. Was darauf kam, war für meine nach einer sehr anstrengenden Woche, die ich gerade mit meiner üblichen und durchaus unauffälligen Hausarbeit um die Runden gebracht hatte, etwas fragile Konstitution geradezu ein Gräuel.

Ich war nicht einmal in der Lage, einen entsetzten Laut von mir zu geben.

Nun gut, eine offene Anfeindung.

Aber: eine offene Anfeindung von gerade dem Freund meines Freundes, dem er, wie ich vermeinte, sehr viel Achtung entgegenbrachte?

Das große Böse war wohl eher, dass ich sofort an meine Mama dachte. An alles, was ich an offenem Sexismus HIER in der schönen Steiermark, und auch ans UNSEREM gemütlichen Küchentisch von den Männern gut befreundeter Paare so mitbekam.

Ich wollte immer, dass das ein Ende hatte. Aber diese Leute meinten es immerhin immer doch gut mit ihr und kannten sie gut; sie war nie eine Karrierefrau, sondern hat sich vielmehr rührend um ihre Familie gekümmert.

Da konnte es sie nicht persönlich treffen.

Mich schon. Damals wie heute. Damals bereits änderte es nicht das Geringste an meinem Urvertrauen, noch an meiner Offenheit, tat aber trotzdem weh. Heute noch mehr.

Lasst euch das gesagt sein, bevor ihr jemanden ausschließt und ablehnt. Tango della feminista!

© Petra Stoppacher