Mr. Moon

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Mr. Moon | story.one

In einer stillen Minute des Innehaltens fand ich endlich den Platz, der dir gebührte, in meinem Herzen. Ziemlich zentral, etwas mehr am rechten Fleck vielleicht nur. Das, wusste ich nun, war dein bescheidenes, und doch, für mich, so königliches Heim. Alleine dir vorbehalten.

Hierher wollte ich dich bereits seit geraumer Zeit einladen, wie lange es auch dauern mochte, bis du diese Einladung annehmen konntest. Es war auch ohne dich schon schön, wenn ich der guten Zeiten, die noch kommen würden, nachsann - wenn, ja. So einfach ist es gar nicht, sich etwas, das man noch nicht kennt, vorzustellen. Auch und gerade dann nicht, wenn man sich der "unnatürlichen" Impulse (Filme, Bücher, Utopien) bedient.

Wann immer ich einen Film anschaue, macht er mich müde; die Realität hingegen hält mich wach; ich kann mich noch gut an sie erinnern. Ein trauriger Satz. Auch wieder nicht so traurig, wenn man bedenkt, dass die Jugend nun einmal für die Mehrheit die intensivste Zeit des relativ langen Lebens darstellt oder darstellen sollte. Nun also bin ich gereift. Bin auch nicht weit vom Stamm gefallen. Nun weiß ich, was es ist, wenn man sich selbst nicht aus Vorsicht, sondern aus Zufriedenheit zurücknimmt.

Es ist schon okay. Hauptabend. Die Bilder ziehen an mir vorbei und ich denke bloß an die paar Stunden Schlaf, die mir bleiben, und auch an die paar Stunden Arbeit, die ihnen bald darauf folgen werden. Der Film, nenne ich ihn auch einen der berührenden Sorte, bleibt hinter diesen eigenen Rhythmen, sein Rhythmus zwingt sich mir entspannenderweise nicht auf. Ich kann daher problemlos zu früh schlafen gehen.

Anders ist es mit dir. Man nennt mich "härter im Nehmen". Wahrscheinlich weil es bei mir diese klare Linie zwischen Erleben und Imagination gibt, die du nicht zu zeichnen bereit bist. Als Mensch im Angesicht deines Menschseins meine ich: recht so. Sie ist genauso trügerisch, wie es die "unnatürlichen" Impulse für die Masse der Menschen sind. Oder siehst du mich etwa im Büro, oder auch nur, wie ich im Dunklen liege? Kaum je. Die Morgendämmerung warte ich ja nicht ab. Ich bin da schon aufgestanden.

Aber siehst du mich denn dann, wenn das so ist, überhaupt?

Weiter spinnt sich mein Netz der Gedanken. Wenn du es nicht tust, gibt es mich denn dann überhaupt, wo ich mich doch immerzu neben dir stehen sehe; vor meinem INNEREN Auge?! Ja - weiß ich - es gibt mich, es gibt mich. Es gibt mich in der harten Realität, die mein Gehirn ständig neu vernetzt. Und darauf greife ich nun zurück, wenn ich dich so am rechten Fleck in meiner Brust platziere, dort, in meinem Herzchen, das unaufhörlich pumpt, egal ob ich lebe, oder ob ich zum Beispiel mit dir fernsehe. Es gibt mich, und es gibt mich für dich. Ich habe es außerdem kommen sehen, dass ich einmal mit einem Kerl wie dir zusammenkommen werde und mich für dich so gemacht, wie ich jetzt bin. Ob es dir passt oder nicht.

© Petra Stoppacher 11.06.2019