Nebelsuppe

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Nebelsuppe | story.one

Wenn man in seinem viel zu kräftezehrenden Trott festsitzt, ist man wie eine Gejagte bzw. ein Gejagter, nur dass die Jägerin bzw. der Jäger sich bedeckt hält. Existieren ist unlustig und ein bisschen enttäuschend, zumal wenn man es an der Freiheit misst, die man schon einmal gespürt hat, dann und wann. An lichteren Tagen oder laueren Nächten, oder als man uns mit Liebe überschüttete, ohne dabei subtil zu bleiben.

Bei mir ist das nicht anders, außer an diesen bestimmten Wochenenden, wenn ich mit meiner Familie auf die Alm fahre. Unsere Sommeralmhütte ist ein verborgenes Domizil der Stoppachers und mein Lieblingsversteck für meine Träume. Wenn ich dort bin, lichten sich bei mir die Nebel, auch wenn das Wetter mystischer denn je ist. Der Wind ist frisch und man spürt die Wärme des eigenen Körpers. Man sieht dann auch die Unterschiede zwischen dem einen und dem anderen Gruppenmitglied besonders gut; meist sind es ja eh sehr vertraute Personen, die man dorthin mitnimmt. Wie eh und jeh stelle ich, dort nach einer kurzen Einlebensphase richtig angekommen, stets fest, wie sehr ich diese Unterschiede liebe. Und brauche.

Auf der Alm dürfen wir kindisch sein und weise wie die Greise. Am besten alles auf einmal. Intensive Momente erlebt man hier und dort, jedoch muss ich immer wieder einmal auf die Alm fahren, um den frappierenden Unterschied zwischen "alleine" und "einsam" wiederum vor Augen geführt zu bekommen. Ich bin dort vielleicht ab und zu alleine, aber nicht so, dass es in Einsamkeit gipfelt, die Geselligkeit ist ein so begehrter Gegenpol. Selbst wenn wir mal alle etwas verarbeiten müssten und nicht so sehr nach Spaß suchen, wird es nicht einsam. Dafür sorgen schon unsere zahlreichen gemeinsamen Gipfelbesteigungen!

Nachts können mal Mama, mal ich nicht schlafen, weil Gedanken durch unsere Hirnwindungen rotieren und uns aufwühlen. Wir wühlen uns gegenseitig auf mit unserer trotzigen Lebensfreude. Nein, wir sind nicht leicht...

Doch tagsüber erleben wir uns und einander dafür auf traumähnliche Weise, wenn wir wandern. Das ist leicht.

Für diese hügelige Gegend habe ich einen inneren Kompass, so wie auch für die Menschen, die dort im Idealfall mir sind.

© Petra Stoppacher