Dr. Übel – der Name ist Programm

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Ich bin noch kein Jahr in Wien, als ich mich morgens mit schmerzhaften Husten und total k.o in die Arbeit schleppe. Mein Chef fordert mich sofort auf, zum Arzt zu gehen.

Also suche ich mir im Telefonbuch einen praktischen Arzt in der Nähe der Firma raus, schließlich ist es seit meinem Umzug nach Wien das erste Mal, dass ich einen Arzt brauche.

Schnell finde ich Dr. Übel nur 3 Gehminuten entfernt. Ich rufe in der Praxis an und laut Sprechstundenhilfe Frau Trixi kann ich auch sofort vorbeikommen. Dort angekommen, bittet mich Trixi um einen Krankenschein, den ich leider nicht dabei habe, weshalb ich 500 Schilling hinterlegen muss. Das Wartezimmer ist gut gefüllt und da die Anmeldekoje in der Mitte des Raumes ist, bekomme ich das ganze Geschehen des Kommens und Gehens mit. Der nächste Patient kommt in die Praxis. Er hat Röntgenbilder dabei, die Trixi sofort auspackt und gegen die Halogenleuchte hält, um sie sich anzusehen. Generell ist Trixi eine sehr geschäftige und neugierige Person und innerhalb der nächsten Minuten kann ich mir ein Bild von den Gebrechen und Leiden aller Patienten machen, die nach mir in die Praxis kommen.

Dann öffnet sich endlich die Arzttüre und eine Dame steuert die Koje an. Ihr folgt ein Mann in einem grauen Jogginganzug, weißen Tennissocken und Adidas Badeschlappen. Es ist Dr. Übel. Und als wäre die Kleidung nicht schon schräg genug, hat der Arzt auch noch eine brennende Zigarette im Mundwinkel. Kein Scherz! Ich suche, wie so oft in solchen Situationen, den Raum nach versteckten Kameras ab, aber da ist nichts zu entdecken. Also beobachte ich das weitere Geschehen, bereue aber sehr, bereits 500 Schilling für den Krankenschein hinterlegt zu haben.

Der Arzt instruiert Trixi der Dame das Medikament XY zu verschreiben, damit sie wieder besser sch….en kann und seine Paraphe darunter zu setzen. Offenbar stellt Trixi die Rezepte aus. Die Dame scheint nicht sonderlich beeindruckt von der derben Ausdrucksweise des Arztes, aber ich fühle mich, als wäre ich in einem Schmierentheater. Als ich an der Reihe bin, betrete ich das Arztzimmer und bekomme kaum Luft, so vernebelt ist das Arztzimmer vom Zigarettenrauch.

Da es nun aber kein Zurück gibt und es mir wirklich nicht besonders gut geht, hoffe ich zumindest auf eine richtige Diagnose und Medikation. Nach Abhören meiner Lunge diagnostiziert Dr. Übel eine Bronchitis, verschreibt mir Antibiotika und bestellt mich 3 Tage später wieder in die Praxis.

Ich komme allerdings nur, um mir meine 500 Schilling zurück zu holen. Als Dr. Übel mich im Wartezimmer sieht, deutet er mit dem Finger auf mich und meint „Wir kennen uns!“ Ich erkläre ihm, dass ich bereits einige Tage zuvor hier war. Er fragt, was mir denn fehlt, worauf ich ihn aufkläre, dass ich wohl eine Bronchitis habe. Er will mir daraufhin Antibiotika verschreiben, immerhin dasselbe, die ich bereits nehme. Ich lehne dankend ab, schnappe mein Geld und nehme mir fest vor, mir einen guten Arzt zu suchen, sobald ich wieder gesund bin.

© Petronella