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Umzug mit dem Zug

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Umzug mit dem Zug | story.one

Schon in jungen Jahren war mir klar, dass ich meinem Heimatdorf einmal den Rücken kehre und raus ziehe in die große, weite Welt. Oder zumindest in eine Großstadt.

Wien sollte es werden. Nachdem ich einer einzigen Firma zugesagt hatte, den doch weiteren Weg inklusive Fahrtspesen für den Zug auf mich zu nehmen, wurde ich zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Dies lief überraschend gut und bereits nach einer halben Stunde wurde ich gefragt, wann ich denn anfangen könnte.

Kurz überlegt, wie lange es wohl dauert, eine Wohnung zu finden und nach Wien zu übersiedeln, meinte ich, bereits im kommenden Monat anfangen zu können.

Wieder zuhause im Heimatdorf angekommen, glaubten meine Eltern nicht recht daran, dass ich tatsächlich meine Sachen packe und nach Wien ziehe. Mein Vater war davon überzeugt, dass ich dies aus einer Laune heraus entschieden habe und in spätestens 2 Monaten wieder zu Hause einziehe.

Für mich ging es in der darauffolgenden Woche allerdings wieder für ein paar Tage nach Wien, um mir eine Wohnung zu suchen. Auf dem schwarzen Brett der Universität Wien gab es verschiedene Anzeigen von Wohngemeinschaften, die Mitbewohner suchten. Dies schien mir für einen Start perfekt und so absolvierte ich mehrere Besichtigungen pro Tag und wurde ich bereits am 3. Tag fündig – eine WG mit einer Medizinstudentin aus Salzburg war meine Wahl.

Jetzt ging es an die Planung für den Umzug. Schnell war klar, dass ich nur das Notwendigste mitnehmen und mir die Möbel vor Ort kaufen würde , da ich kein Auto hatte und ich somit mit dem Zug übersiedeln muss.

Meine Eltern zu bitten, mich nach Wien zu übersiedeln war mir schon damals nicht in den Sinn gekommen.

Am Umzugstag wurde ich von meinen Eltern zumindest zum Bahnhof gebracht, hatte ich doch einige Koffer und Taschen, die ein ganzes Abteil für mich ausfüllten. Gott sein Dank war die Zugverbindung damals ohne Umstieg, weshalb ich die 5 Stunden Zugfahrt ohne Hektik genießen konnte. Der Schaffner war sehr verwundert, als er das Abteil und mich alleine in Mitten des Gepäcks sah und bot mir auch gleich an, mir in Wien mit dem Gepäck behilflich zu sein. Mit zwei vollgepackten Gepäckswagen und dem Schaffner im Schlepptau ging es raus aus dem Bahnhofsgebäude Richtung Taxistand. Der Taxifahrer öffnete den Kofferraum, lud ein während ich mich beim Schaffner bedankte und bereit zum Einsteigen war. Der Taxifahrer fragte, wer denn noch kommt und war etwas erstaunt als ich im sagte, dass es sich um meinen Umzug handle und ich alleine bin.

Bei der Wohnung angekommen musste ich erstmal 1 Stunde mit Sack und Pack vor der Haustüre warten, bis meine neue Mitbewohnerin nach Hause kam. In meinem Zimmer wurde dann erstmal die Luftmatratze aufgeblasen, die mir für die nächsten Wochen das Bett ersetzte. Dies war der Start in mein neues Leben in Wien und der Aufwand hat sich gelohnt. Heute – 20 Jahre später – dürften auch meine Eltern begriffen haben, dass ein Umzug ernst zu nehmen ist, auch wenn dieser spontan mit dem Zug passiert.

© Petronella 14.07.2019

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