Bestiehlt mich meine bessere Hälfte?

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Der Inhaber einer kleinen, aber recht gutgehenden Tabak Trafik, wechselte den Steuerberater? Er wechselte zu einem ehemaligen Finanzbeamten, der sich als Steuerberater selbständig gemacht hatte.

Er zeigte seinem neuen Steuerberater auf, dass seine Trafik langsam in die roten Zahlen rutschte, obwohl das Geschäft nach wie vor sehr gut ginge!

Der neue Steuerberater sah sich an zwei Geschäftstagen die Kassengebahrung zum Beginn und am Ende des Geschäftstages und die vorgenommenen Aufzeichnungen an und das fiel ihm auf: Zu Beginn - also beim Aufsperren - waren 1200,- AS in der Kasse damit auf größere Scheine von Kunden herausgegeben werden konnte.

Beim Zusperren - also am Ende der Geschäftszeit - wurde das in der Kasse befindliche Geld gezählt und diese Summe im Kassabuch aufgeschrieben.

Da lag also der Hase im Pfeffer! Das Wechselgeld, das der Trafikant bzw. seine Ehefrau für nächsten Tag in der Kasse ließen, wurde - wahrscheinlich schon ein Jahr lang - von der Endsumme nicht abgezogen bevor diese Summe im Kassabuch aufgeschrieben wurde!

Da in einer Trafik vorwiegend Waren des Tabakmonopols verkauft wurden und diese Warengruppen alle fixen Rohaufschlagssätzen damals unterlagen, ordnete ich eine Bedarfsprüfung an.

Der vom Steuerberater beobachtete Fehler fand sich bestätigt. Und der Trafikant musste feststellen, dass sein leiser Verdacht doch nicht zutraf.

Zwei Jahre später - ich war bereits Mitglied des Spruchsenates beim FA als Organ sämtlicher Finanzämter des Landes Salzburg - wurde eine ähnliche Finanzstrafsache anhängig: Ein Mitarbeiter eines Pharmazeutischen Großhändlers hat eine große Menge entsprechender Waren entwendet und unter anderen an eine Apotheke in Salzburg weitergegeben.

Dem Apotheker oder der Apothekerin wurde Abgabenhinterziehung vorgeworfen! Auch bei Apotheken unterliegen die meisten oder fast alle Waren gleich großen Rohaufschlagssätzen. Sonst würden ja Aspro Tabletten bei verschiedenen Apotheken verschiedene Preise haben.

Der oder die Apotheker(in) machte auch glaubhaft, dass die (veruntreuten) Waren nicht im Wareneingangsbuch verbucht wurden? Klar, ein Dieb stellt wohl kaum eine Rechnung für derartige Waren aus.

Dass beim Verkauf dieser Waren aber doch die volle Erfassung aller Erlöse aufgezeichnet wurde, also keine Abgabenhinterziehung angelastet werden könne, vermochte der Steuerberater an Hand der fixen Rohaufschlagssätze nachzuweisen.

Der Spruchsenat kam zur Überzeugung, der oder die Apotheker(in) habe zwar als Kaufmann -frau recht dumm gehandelt - keine Verbuchung der entsprechenden Wareneinsätze bei voller Erfassung der Erlöse - einer Abgabenhinterziehung hat er/sie sich aber nicht schuldig gemacht; das mussten auch die als Zeugen einvernommenen Außenprüfer so erkennen.

Titelbild der Story: Ich glaube ein Portrait vom jungen Paracelsus passt?

© Philip