Die Erschaffung der Welt, war das Alles?

Am 6. Tag schuf Gott den Menschen, einen Mann und eine Frau. Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte; und siehe da, es war sehr gut.

In weiterer Folge hat Gott wohl beiden seinen lebendigen Odem in ihre Nasen geblasen. Und also wurden die Menschen lebendige Seelen. Eva dürfte aber doch einen kräftigeren Puster abbekommen haben, denn sie hat nicht selbst als Erste in die verbotene Frucht gebissen, sondern dies ihrem Adam überlassen.

Naja auch ich sagte einst in Klam, Bezirk Perg an der Donau:" Tante Greta, der Seppi tut Ribiseln rupfen!" Dabei hatte ich selbst auch beide Hosentaschen voll mit roten und gelben Johannisbeeren gestopft. Tante Greta lächelte milde und meinte nur. "Rupft aber nur die ganz roten und gelben Ribiseln, die richtig süß sind, dann bekommt ihr auch kein Bauchweh." Meine Mutter und meine beiden Schwestern erfuhren natürlich von meiner Schlagfertigkeit als dreijähriger Knirps.

Obwohl uns meine Mutter also mit der ersten Flucht vor den Kriegsgräueln im damaligen Jugoslawien ins sichere Oberösterreich gebracht hatte, schloss sie sich jenen Nachbarn aus Gospodjinci an, die auf die Titopropaganda hereingefallen waren. Es hieß nämlich, alle Donauschwaben bekämen ihre Häuser, Höfe und Ländereien zurück, wenn sie nach Jugoslawien zwecks Betreibung der Landwirtschaft zurückkehrten. Meine Mutter wird wohl überdies gehofft haben, dass mein Vater, der vor unserer Flucht als letztes Aufgebot von Nazideutschland in den Krieg eingezogen worden war, nach dem sich abzeichnende Kriegsende nach Gospodjinci zurückkehren werde.

Dass von vorneherein geplant war, die Donauschwaben nach Russland zu deportieren, den Rückkehrenden alle Traktoren abzunehmen und ihre Habseligkeiten nach Wertsachen zu durchstöbern, geht aus den Berichten der Historiker hervor.

Aus dem Odem Gottes wurden die Menschen zu lebendigen Seelen und damit kann der Schöpfer der Welt und aller Dinge nach wie vor lenkend jene Menschen erreichen, die an ihn glauben. Etwa durch Engeln, die er zu den Menschen schickt. Wir waren damals bei Zombor, nahe der Grenze zu Ungarn, abgefangen worden. Zwecks Durchstöberung unseres mitgeführten Besitzes trennten uns die Titopartisanen von unseren Habseligkeiten. Wir waren gerade am Weg zurück, da sagte meine jüngere Schwester zu meiner Mutter auf Serbisch: "Schau mal Mama, die Frau dort mit der Flinte, hat deine Kleider an." Die Partisanin, forderte meine Mutter auf, ihr zu sagen, ob das Kind die Wahrheit gesagt habe. Meine Mutter war sehr erschrocken, denn in jener Zeit zählte das Leben von vier Flüchtlingen nicht viel, sie bestätigte aber, dass meine Schwester die Wahrheit gesagt habe.

Die Partisanin bat darauf meine Mutter ihre Sachen wieder zurückzunehmen; sie würde sonst ihr weiteres Leben nicht mehr ihren Frieden vor Gott finden können.

Das erzählte mir später mal meine Mutter, als sie mich erzog; Engeln erreichen uns ohne Flügeln, in die Seelen der Menschen kommen sie, denke ich.

© Philip