Mein Renault 4 CV, die Ente zw. Schwänen!

Eigentlich wollte ich einmal ausgiebig Skifahren. Deshalb bewarb ich mich um einen Posten als Bäckergeselle in Bad Hofgastein, wo man ja Skifahren bis zum Abwinken betreiben kann.

...Wenn es genug Schnee hat! Wir schrieben das Jahr 1963 von Schnee fand sich in diesem Jahr - kurz bevor die Winterolympiade in Innsbruck begann - nur ganz oben auf den höchsten Gipfeln der Berge. Statt Ski zu fahren ging ich Abends in die vielen Gastlokale dieses Wintersportortes.

Eines Abends fand ich Sie, eine Frau mit so blauen Augen, dass der Attersee dagegen wie eine trübe Lacke erschien. Den Kerl, der sich bei ihr einizuraunzen versuchte, kannte ich aus meiner Zeit im Präsenzdienst beim Bundesheer, soweit mir bekannt war er schon damals verheiratet, weshalb er damals immer bei Urlaubsanträgen bevorzugt wurde.

Noch bevor ich bei ihrem Tisch ankam sprangen Funken der Sympathie von ihr zu mir über. Mehr aus der Wahrung der Höflichkeit fragte ich, darf ich deine Begleiterin zum Tanze entführen. Er nickte stumm, sie dagegen warf ein, dass sie nicht seine Begleiterin sei. Wunderbar dachte ich und bat Sie um den nächsten Tanz.

Bereits wärend des ersten Tanzes erklärte Sie, dass Sie mich gerne besser kennen lernen wolle und sich gerne zu unserer Tischgesellschaft setzen möchte. Meine Tischgesellschaft war sofort erfreut über ihre Bitte, da ja ohnehin einige Berufskolleginnen von ihr mit uns am Tisch saßen. Beim Tanzen fühlte ich auch, dass Sie trotz ihres sehr gepflegten Aussehens hart und viel arbeiten musste. Passt genau zu einem Bäckergesellen, dachte ich insgeheim; immer wenn Sie um 5 Uhr morgens in die Backstube kommen werde, werde ich wohl immer die Teigreste von meinen Händen sauber abwaschen müssen, bevor ich Sie mit einem Gutenmorgen-Kuss begrüßen werde!

Nach Hause kann ich dich mit meinem Auto fahren, flüsterte ich ihr zur späteren Stunde zu. Das traf sich auch gut, denn inzwischen war der Winter mit klirrender Kälte und dichtem Schneefall hereingebrochen. Warte doch mal kurz, mein Wagen ist da links zwischen anderen PKW eingeparkt.

Mein großtuerisch angekündigtes Auto war ein Renault 4 CV! Als ich damit aus der Parklücke herauskam, weigerte Sie sich in das Auto einzusteigen. Glücklicherweise war es aber inzwischen doch so kalt, dass Sie doch einstieg. Vorher musste ich ihr aber versprechen, seitlich am Personalwohnhaus des großen und noblen Hotels zu parken. Meine Aufgabe war es, ihre eiskalten Füße aufzuwärmen. Das machte ich auch ganz gut, denn heuer sind wir bereits 55 Jahre ein Paar.

Zwar arbeitete ich noch weitere 14 Jahre als Bäckergeselle weiter, selbständige Bäckereibesitzer beschlossen wir gemeinsam, werden wir nicht. Obwohl, Handwerk hat goldenen Boden, das dachten wir uns öfter im späteren Leben. Als ich die Matura extern nachmachte oder als ich mein Jurastudium absolvierte; wir sagten uns immer, wenn's schiefgeht backen wir halt wieder Brötchen.

philip

© Philip