Besser als Champagner.

Das Auto näherte sich von hinten. Vorsichtig holte es auf, glich seine Geschwindigkeit an meine an. Wie er merkte, dass ich ihn wahr genommen hatte, drückte er einen Knopf.

Zisch. Die Scheibe glitt nach unten. Und er rief mir etwas zu. Etwas was ich nicht verstand...

Die Zöllner in Turkmenistan waren äußerst herzlich - so wie alle Menschen, die ich bei meinem kurzen Transitaufenthalt in diesem Land kennenlernen durfte. Und die Ausreiseprozedur erfolgte zügig.

Ich war schon neugierig, wie mein zwölftes Land bei meiner Reise entlang der Seidenstrasse sein würde. Viel hatte ich über Usbekistan vorab gelesen. Bereits wieder viele grimmige Geschichten über Korruption und Kriminalität.

Der Grenzübertritt nach Usbekistan war unkompliziert. Nach vier Stationen entließ mich der letzte Grenzbeamte dann durch den Schranken in das Landesinnere. Nicht ohne mir ein herzliches "Welcome to Uzbekistan!" nachzurufen.

Kein schlechter Einstieg dachte ich mir.

Ich hatte ein drängendes Problem. In meiner Naivität verließ ich mich darauf, dass der Euro bereits eine Weltwährung sei. Und ich überall mit meiner MasterCard lokale Währungen abheben könne. Und hatte somit meine größere Summe in Euro am Motorrad versteckt, aber gerade mal eine Handvoll US Dollars als Sicherheitsreserve, bevor ich in den Iran einreiste. Leider hielt diese Hypothese nicht. Kreditkarten funktionierten in diesem Teil der Welt nicht. Und Euro wird nicht als Zahlungsmittel akzeptiert. Sehr wohl aber der US Dollar, der überall sehr gerne genommen wird.

Nach dem Iran und nun auch Turkmenistan war ich mittellos - trotz meiner fast zweitausend Euro in bar. Gerade mal eine Handvoll iranische Rial und turkmenische Manat hatte ich in meiner Tasche - oder drei US Dollar, die ich noch als allerletzte Reserve zusammenkratzen konnte.

Mehrere Stunden war ich bereits bei den 47°C unterwegs. Davon rund einundhalb bin ich in voller Motorradmontur durch die verschiedenen Stationen der Grenzposten gelaufen. Und dementsprechend war ich auch durstig.

Seit einigen Minuten hielt ich bereits meine Augen offen nach einem Minimarket, wo ich mir etwas kaltes zu trinken kaufen könnte. Kann ich mit US Dollar in Usbekistan zahlen? Welche Sprache sprechen die hier eigentlich? Was kann hier ein kühles Getränk kosten? Ach. Was soll's. Bei diesen Temperaturen soll er drei Dollar bekommen, wenn denn das Getränk kalt ist.

Ist das ein Minimarket? Ich fuhr langsamer. Leider nein. Scheint ein normales Haus zu sein. Ich beschleunigte wieder.

Ist dies ein Minimarket? Wieder bremste ich ab. Leider nein auch nichts.

...Der Fahrer in dem Auto wiederholte seinen Satz. "Joghurt! ...cold!" Und wedelte mit der Flasche, welche er mir während der Fahrt durch das Beifahrerfenster in meine Hand drückte.

"Welcome to Uzbekistan!" sagte er, lächelte und verschwand.

© Philipe Reinisch