Ein neues Motorrad löst alle Probleme.

Achtzig Kilometer von Arica entfernt starb mein Getriebe endgültig. Es war Zweitausendzwölf und ich schwor mir - nie wieder ein altes Motorrad für eine längere Tour! Sieben mal bin ich bereits davor irgendwo liegen geblieben. Mitten in der Wüste. Im Stoßverkehr Südamerikanischer Großstädte. Oder mitten im Dschungel. Und habe dabei Road-side Reparaturen auf die harte Tour gelernt. Und kann dadurch ein Motorrad zerlegen - auf Spanisch.

Zweitausendachtzehn war anders. Die Wahl meines Motorrades fiel auf ein Modell welches gerade dieses Jahr im März auf den Markt kam. Und Ende April ging es dann bereits auf Tour. Noch Neuer ging gar nicht mehr.

Das Modell war vollgestopft mit modernster Technik. Und Honda ist bekannt für die Qualitätskontrolle und die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge.

Aber warum zische ich gerade mitten in der Rushhour einem türkischen Scooter hinterher, selbst voll beladen und gerade mal links und rechts fünf Zentimeter zwischen den Blechschlangen vorbei? Der Istanbuler Verkehr ist berüchtigt. Viel habe ich schon gehört davon. Dass man vier Stunden benötigt, um von einem Ende der Stadt ans andere zu kommen - wofür man laut GPS-System 20min benötigen würde.

Ich folge Huseyin. Er hat mir angeboten, dass ich von dem Hotel in der fragwürdigen Gegend Istanbuls zu ihm ziehen könne, solange wir das DHL Problem nicht gelöst haben.

Huseyin ist Prokurist von Apple und kennt sich mit Importprozeduren aus. Das ist sein tägliches Geschäft. Er verantwortet den Import der Apple Produkte in die Türkei und parallel ist er begeisterter Motorradfahrer - worüber wir uns auch kennen gelernt haben. In einem Forum hatte ich mal von ihm und seiner Hilfsbereitschaft gelesen. Bereits vorab hatte ich ihn einmal lose kontaktiert gehabt, bevor ich in die Türkei kam.

Wie ich im März das Motorrad gekauft hatte, wurde in einem Nebensatz erwähnt, dass die Gepäckhalter, welche die Koffer am Motorrad fixieren, von Honda noch nicht lieferbar sind. Eine Kleinigkeit, wie ich dachte. Weil irgendwo werde ich doch sowas schon auftreiben können. Dachte ich mir.

Die italienische Firma GIVI hat mir die Gepäckslösung gesponsert. Das volle Programm. Tankrucksack, Topcase, Sidecase, GPS Halter. Eben das volle Programm. Aber auch diese hatten genau für dieses Modell angepasste Kofferhalter noch nicht lagernd. Die Lieferung wurde nämlich erst in einigen Wochen aus China erwartet. Weswegen wir beschlossen, dass sie mir diese einfach nachschicken. Eben nach Istanbul.

Schließlich ist doch die Türkei noch Europa. Oder fast halt.

Zwei Tage für den Versand von Italien in die Türkei, sagte GIVI.

Vier Wochen um die Sendung aus dem türkischen Zoll zu bekommen, sagte Huseyin. Die Zollabwicklung sei geopolitischer Pfand der Türkei im Streit mit der EU, hörte ich. Darunter sei es schwer. Aber wir probieren es. Meinte er.

Ich konzentriere mich auf den Verkehr.

© Philipe Reinisch