Epilog. Ein Neuanfang.

Der einunddreissigste Dezember. Der letzte Tag im Jahr. Ich sitze am Schreibtisch und reflektiere über die letzten dreihundertfünfundsechzig Tage. Die Dunkelheit hat bereits die Stadt geflutet. Unterbrochen nur durch farbige Blitze. Gestartet von Menschen, die das neue Jahr nicht erwarten können.

Zweitausendachtzehn war intensiv. Ein Ereignisreiches Jahr. Wer hatte gedacht, was aus diesem Jahr entstehen könnte. Nur ein Ziel vor Augen. Den Pol der Unzugänglichkeit. Aber keinen klaren Weg dorthin. Sich auf die eigenen Fähigkeiten verlassen zu müssen. Und daran zu glauben, dass alles gut gehen wird. Irgendwie.

Es war schwierig, an sich selbst zu glauben, wenn es nur mehr wenige taten. Ein Projekt ein und halb Jahre vorbereitet, zermürbt.

Bergauf ging es erst an dem Moment, an dem ich endlich unterwegs war. Es gab keine Zweifel mehr. Alles was nicht vorbereitet war, war halt nicht vorbereitet.

Ab diesem Zeitpunkt gab es nur mehr eine Richtung. Nach vorne. Und für alles was dem entgegen stand, fand man Lösungen. Zuerst zaghaft. Im Laufe der Reise und dem gewonnenen Selbstvertrauen dann immer überzeugter. Achtzehntausend Kilometer lang. Sechs Monate und sechs Tage.

Eine zentrale Frage beschäftigt mich.

Es gab im letzen Jahr keinen Tag an den ich nicht an Lena gedacht habe. Die Gewissheit, dass es von ihrer Seite kein wir mehr gibt, hat meine Seele wohl noch immer nicht erreicht.

Ich habe sie vor zwei Wochen noch einmal gesehen. Sie will keinen Kontakt mehr. Der einzige Anlass mich zu treffen, waren diverse Sachen, die ich noch von ihr hatte. Und zum allerletzten Mal war sie bereit mich persönlich zu treffen. Und auszusprechen, was es auszusprechen gab - von meiner Seite.

Selbstbewusst sagte sie, dass sie keinen Kontakt wünsche. Die Atmosphäre war freundlich. Aber distanziert. Sie möchte nicht mehr an mich erinnert werden. Hat mich aus ihren Gedanken gestrichen. Aus ihrem Leben.

Es gäbe so viel zu bereden. Nur mir fehlen wieder die Worte.

Erst im Nachhinein war mir bewusst, dass mich die Angst lähmte sie zu verlieren. In genau dem Moment, wo ich sie doch schon verloren hatte.

Dennoch hielt sie ihre Hand beim Abschied länger an meiner Hüfte, als es notwendig war.

Mit dem Wissen, welches ich jetzt habe - würde ich anders handeln?

Ein Projekt dieser Größenordnung kann man nur durchziehen, wenn man seinen Weg geht. Es gibt so viele Gründe, warum man alles nicht machen sollte. Warum man lieber zuhause im Warmen den nächsten Tag erwartet. Tag für Tag. Woche für Woche. Monat für Monat.

Wichtig ist genau diesem einzigen Grund treu zu bleiben, warum man es tut.

Und ein Partner, der nicht bereit ist, so einen Weg mitzugehen, ist schlichtweg nicht der richtige Partner.

Und letztendlich - nach der Freundin ist vor der Freundin. Und das kommende Jahr hat dreihunderfünfundsechzig Möglichkeiten ein Tag zu werden, wo man den passenden Partner findet. Sagt der Verstand.

Wenn es denn das Herz nur glauben würde.

© Philipe Reinisch