Hitzig Warten.

Man neigt dazu der Technik zu vertrauen. Dass sie immer verfügbar ist. Dass sie immer Fehlerfrei funktioniert. Alles Andere sind schließlich technische Details.

Der Komfort moderner Technologie ist überzeugend. Selbst mitten in der Betonburg Teherans lotst einem das Handy an jeden gewünschten Platz. Waze - lustigerweise eine App aus dem verfeindeten Israel, führt einem dabei gekonnt und wissend an den Staus vorbei.

Die App ist bei gefühltem jedem zweitem im Auto aktiv und erfasst dabei die eigene Position und Geschwindigkeit. Die Daten werden jeweils an die Server des Providers weitergeleitet, welche dann die durchschnittliche Geschwindigkeiten der einzelnen Strecken und damit die Verkehrsbelastungen berechnen. Zusätzlich kann man auch Unfälle und - vor allem bei Taxifahrern beliebt, auch Polizeikontrollen melden.

Gerade eben bin ich auf mein Motorrad gesprungen um dem Stadtzentrum zu entfliehen. Aufständische demonstrieren gerade in der Nähe meiner Unterkunft und es ist besser, wenn ich mit meinem ausländischem Nummernschild nicht dort auf der Straße parke.

Die 42°C Hitze treibt mir den Schweiss aus den Poren. Nebst dem Stress der Situation.

Links abbiegen, meint mein Navi. Die Ankunftszeit ist in zwölf Minuten, zeigt es an. Vier hundert Meter noch, dann rechts abbiegen.

Erleichterung macht sich breit. Die letzten Minuten vor der Abfahrt waren schließlich sehr stressig. Nicht zu wissen, was einen um die nächste Ecke erwartet, zermürbt. Jede Sekunde rechnet man damit, in diesen Mob der Aufständischen zu geraten, deren Bilder gerade auf Instagram die Kreise machen.

Hundert Meter oder so und dann müsste ich doch noch einmal rechts abbiegen, sagt mein Bauchgefühl. Irgendwie. Aber das Navi bleibt ruhig.

Ich rolle weiter. Hundert Meter. Zweihundert Meter. Fünfhundert Meter.

Irgendwie kommt mir in den Sinn, dass Yas gemeint hätte, dass es in einer Ecke Teherans auch Studentenproteste gab. Bin ich nicht gerade in dieser Ecke der Stadt?

Aber das Handy bleibt dunkel. Ich rolle weiter.

Langsam wird mir mulmig. Ich fahre in eine Seitengasse hinein. Gut Sicht geschützt von der Hauptstrasse rolle ich rechts ran. Abfahrtsbereit, falls Aufständische sich nähern sollten - bereit in beide Richtungen der Seitengasse die Flucht zu ergreifen.

Ich greife zu meinem Handy. Drücke die Seiten Taste.

Das Display geht an.

"Temperature. iPhone needs to cool down before you can use it." schreibt es.

Wer liest denn schon Spezifikationen? Und dass moderne iPhones nur bis zu einer Betriebstemperatur von 38°C spezifiziert sind? Und sich dann wegen Überhitzung abschalten.

Technische Details halt.

© Philipe Reinisch