Potemkimsche Dörfer.

Ich liege gerade auf meinem Bett und lasse die letzten Ereignisse des Grenzüberganges Revue passieren. Das Hotel hier in Ashgabat ist hierbei eines der teuersten meines Trips bis jetzt - siebenunddreissig amerikanische Präsidenten müssen pro Nacht die Seite wechseln.

Die Klimaanlage surrt unregelmäßig vor sich hin. Neben mir turkmenische Kartoffelchips, eine Art lokaler Philadelphia Crème-Käse und weiss angegilbte Kitkat-Schokolade, welche ich mir bei einem Supermarkt in der Nähe des Hotels noch besorgte, bevor ich mich zu dem Video-Abend mit meinem iPad zurückzog.

Die Restaurants hatten alle bereits zu. Und somit improvisierte ich mir mein Abendessen eben in diesem Supermarkt zusammen. Die fehlende Auswahl in den Regalen wurde dabei durch das strahlende Lächeln der Verkäuferin weggemacht. Und auch die anderen Käufer im Laden lächelten mich an.

Gedankenverloren starre ich aus dem Fenster.

Meine Gedanken springen zum Grenzübergang. Ich bin verunsichert, ob meine Wahrnehmung mir einen Streich spielte. Ob ich wirklich allen ernstes mehrmals bei der Einreise von den Zöllnern nach einem Bakschisch - dem lokalem Trinkgeld - gefragt wurde. Oder ob es nur ein sprachliches Missverständnis war.

Ich schiebe die Gedanken der Grenzstation zur Seite. Ich musste mich geirrt haben. So nett wie die Menschen hier sind, paßen diese anderen Bilder nicht zusammen. Wahrscheinlich war alles einfach nur ein Missverständnis.

Ich erhebe mich aus dem Bett. Es ist durchgelegen. Generell ist das Zimmer abgewohnt.

Eigentlich ungewöhnlich denke ich mir. Ein riesiges Hotel mit fünf Stockwerken. Geschätzte zweihundert Meter lang. Und dieses Zimmer so abgewohnt? Mir sind nicht viele Touristen aufgefallen bei der Rezeption. Wie viele kommen da wohl pro Jahr? Und wann ist hier eigentlich Hauptsaison?

Ich öffne die Balkontüre und gehe hinaus. Ich spüre die unregelmäßigen Fugen der Fliesen unter meinen nackten Füssen.

Links und rechts erhebt sich der Sichtschutz zu den anderen Balkonen.

Tief atme ich die Luft ein. Schaue mich um. Aus den Augenwinkeln nehme ich eine ungewöhnliche Fuge war und drehe mich zu dem seitlichen Sichtschutz.

Die Fliesen enden mit meinem Bereich. Am Balkon des Nachbarzimmers gibt es keinen Boden.

Neugierig gehe ich zu der Trennwand. Stecke meinen Kopf daran vorbei Richtung dem benachbartem Zimmer. Dort wo bei meinem Zimmer die Klimaanlage sitzt, klafft ein Loch.

Alle anderen Zimmer sind offensichtlich nicht eingerichtet. Nur meines ist verfliest. Ich bin in dem einzigen Zimmer auf dem Stockwerk, das benutzbar erscheint.

Wie viel von dem Hotel ist real?

© Philipe Reinisch