Technik. Die verbindet.

Ich weiß alles über ihn. Bis auf seinen Namen.

Er hat drei Kinder. Eine Ehefrau, mit der er eigentlich recht glücklich ist. Und eine Geliebte, die er so einmal in der Woche trifft. Abwechslung, sagt er. Schließlich sind sie schon seit über fünfzehn Jahren zusammen.

In Kirgisien heiratet man schließlich sehr jung. Und Sex vor der Ehe ist verpönt. Sagt er.

Die Fragen werden abwechselnd gestellt. Er ist dran.

Er wundert sich. Neugierig stellt er mir die nächste. Ich bin nicht verheiratet? Warum?

"Warum soll ich mich auf eine Frau beschränken, wenn es doch so viele gibt?", sage ich und lasse den Knopf los.

Er lacht und grummelt etwas vor sich hin. Etwas, was Google nicht versteht. "Cucumbers are square" tönt aus dem Lautsprecher meines Handies. Nein. Ich denke nicht, dass das korrekt übersetzt wurde.

Warum reise ich? Eine Frage, die mir häufig gestellt wird. Es ist schwierig, die eine umfassende Antwort zu geben. Je nachdem, in welcher Situation man mir diese Frage stellt, antworte ich unterschiedlich.

Vielleicht eine Gemeinsamkeit gibt es. Ich bin - und war seit jeher - ein außergewöhnlich neugieriger Mensch. Schon als Kind wollte ich verstehen, wie Dinge funktionieren. Habe zum Beispiel Radios zerlegt. Welche vor meinem Eingriff funktionsfähig waren. Und ja. Meine Eltern hatten eine große Freude mit mir.

Und je älter ich wurde, desto mehr verstehe ich, dass alles miteinander zusammenhängt. Und dass ein zentraler Bestandteil des Lebens die Verbindung zu Menschen sind. Menschen, die alle eine Geschichte haben. So wie dieser Taxifahrer, der mein Leben für diese halbe Stunde Fahrt durch Bishkek begleitet.

Eines der Ziele meiner Tour war auch die aktuellen Möglichkeiten der modernen Technologien zu erfahren und aufzuzeigen. Und herauszufinden, wie viel an Technologie der Mensch eigentlich wirklich braucht zum Leben.

Bis auf zwei Ausnahmen habe ich in den sechs Monaten keinen menschlichen Reiseführer benötigt. Keine Agentur, die mir weiter hilft. Meine größte Herausforderung war eventuell noch eine lokale SIM Karte zu organisieren - um die Kosten des Internetzugangs in Grenzen zu halten. Aber ansonsten habe ich Lösungen für alle Probleme im umfassenden-digitalen Moloch gefunden.

So wie eben die Google Translate App, welches mir ermöglichte eine nette Zeit mit einem wildfremden Menschen zu verbringen. Einem Menschen, dessen Sprache ich nicht spreche. Englisch ja. Spanisch ja. Ein bißchen Mandarin. Ja. Aber Russisch? Nein.

"No kangaroos in Austria!" werfe ich beim Ausstieg noch ein letztes Mal zu.

"в Австрии нет кенгуру" ertönt es aus dem Lautsprecher. Er lacht und nickt.

© Philipe Reinisch