Teheran. Heiß ging es her.

Die Emotionen gingen hoch. Lag es an den 42°C Aussentemperatur, welche die Betonwüste Teherans oder den dichten Verkehr noch unerträglicher machten? Oder war es die unglaubliche Abwertung des iranischen Rials, welcher seit Jahresbeginn innerhalb eines halben Jahres die Hälfte an Wert verlor?

Was auch immer der Grund war, das Volk war auf der Strasse.

Schon seit Tagen gab es diverse Meldungen in den internationalen Medien, dass Teheran von Unruhen heimgesucht wird. Und jeden Tag wurden neue Verhaftungen berichtet.

Und eben an so einem Tag saß ich gemütlich beim Mittag Essen. Es war bereits 14:30 und eine Portion Tschelo Kabāb - das National Gericht Irans - stand vor mir. Wohlverdient wartete ich darauf endlich mit dem Essen zu beginnen - auf Grund diverser zwingender Erledigungen bin ich nicht dazugekommen zu frühstücken und dieses Mahl war das erste des Tages.

Das Handy vibrierte in meiner Tasche. Knurrig beschloß ich das Rütteln zu ignorieren. Das Essen ging schließlich vor. Und so machte ich den ersten Biß, welchen ich in vollen Zügen genoss.

Das Vibrieren verstummte.

Gedanken verloren, schob ich den zweiten Bissen in meinen Mund. Freute mich, dass ich endlich diese Ruhe fand mein Mittagessen einzunehmen.

Wieder begann es in meiner Tasche zu vibrieren. Meine Geduld wurde auf die Probe gestellt. Wer wagt es schließlich mich zu stören bei meiner - mir so heiligen - Mittagsruhe. Und wer kennt denn eigentlich schon meine iranische Nummer? Diese Erkenntnis traf mich wie ein Blitz. Ich wurde mir bewusst , dass die Unterzuckerung meine kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigte - ich war zu langsam um rechtzeitig meine Tasche zu öffnen bevor das Vibrieren erneut verstummte.

Zufrieden beschloß ich somit erst nach meinem Essen mir die Nummer und den Anrufer anzuschauen. Schließlich hat alles seine Zeit. Und jetzt ist die des Essens.

Ich griff erneut zur Gabel, baute mir einen perfekten Bissen, überlegte noch ob eine weitere Rosine auf dem Haufen auch noch Platz hätte, und setzte an, diesen Mix an exotischen Geschmäckern in meinen Mund zu schieben.

Genau kurz bevor meine Gabel meinen Mund erreichte, vibrierte die Tasche schon wieder.

Seufzend gab ich auf. Anscheinend ist es etwas wichtiges.

Über Couchsurfing - eine Plattform, wo sich Reisende austauschen und treffen können, habe ich Yas kennengelernt. Sie ist gebürtig aus Teheran - aber sie lebte mehrere Jahre im Ausland und ist erst seit kurzem wieder in den Iran zurück gekehrt. Wie so viele, berichtete auch Yas, dass sie diese Entscheidung mittlerweile stark bereut. Aber einmal im Iran zurück ist es derzeit für Irani äußerst schwierig ein Schengen Visum zu bekommen. Wenn nicht sogar fast unmöglich.

So eben auch für sie.

Und eben diese Yas war am Telefon.

Grußlos schrie sie mir entgegen - "Sie zünden gerade Motorräder an. 150 Meter von Deinem Hostel entfernt, wo Dein Motorrad auf der Straße steht!"

Mein Hunger war vergessen...

© Philipe Reinisch