Wer will denn schon zum Arsch der Welt?

Einer der meisten Frage nach 18.000km Roadtrip mit dem Motorrad war - wie kommt man darauf sich so etwas anzutun?

2016 verlief mein Projektmanagerleben in beschaulichen Bahnen. Die Regelmäßigkeit des Erwerbslebens war unbefriedigend. Auch meine ehrenamtliche Tätigkeit bei einem Verein, der die Auswirkungen der Digitalisierung diskutierte, linderte meinen Drang nur temporär nach irgendetwas Nachhaltigem. Etwas Verrücktem. Etwas, was ich nicht schon erlebt habe. Bei über 75 bereits bereisten Ländern verschieben sich nämlich die Wertigkeiten: Eine weitere Kirche oder Markt oder Berg oder Meer - oder was auch immer so in den Reiseführern als Sehenswert vermarktet wird - hat nicht mehr die gleiche Spannung, wie vor 28 Jahren, wie ich meine Reisen begann.

Und der Gedanke kam, warum nicht den Weg zum Ziel zu machen? Sich einfach ein ungewöhnliches Ziel zu suchen, und dann zu schauen, was einem so alles passiert, wenn man sich auf diesen Weg begibt. Und zu diesem Gedanken kam dann meine technologische Neugier dazu - wie helfen einem moderne Technologien so eine Reise durchzuführen? Und welche nützlichen Technologien gibt es überhaupt?

Die Art des Reisens war dann flott geklärt. Es sollte wieder das Motorrad werden. Das Motorrad zwingt einen einerseits sich zu reduzieren - der fehlende Platz erlaubt nicht viel an Luxus. Und andererseits führt die Verletzlichkeit des Motorradfahrers zu einem viel intensiveren Kontakt mit den Menschen entlang der Reise - meines Erachtens das Salz der Suppe des Lebens.

Aber die Hauptfrage war schwerer zu beantworten. Welcher Punkt auf der Welt ist es noch Wert besucht zu werden?

Die Wissenschaft half. Wenn die Geographen nämlich vom vielzitierten "Arsch der Welt" reden, haben sie auch dafür mögliche Klassifizierungen. Eine davon ist der Punkt auf der Erdkugel, welche am weitesten von einem Weltmeer entfernt ist. Auch bekannt als eurasischer Pol der Unzugänglichkeit.

Und der klang doch nach genau so einem Ziel, das zu so einem Unterfangen passen könnte! ... und es war schnell klar. Da muss ich hin!

Die Reise begann dann schon viel früher als die eigentliche Abfahrt aus Wien. Denn wo liegt denn dieser Punkt genau? Wie kommt man denn dort eigentlich genau hin? Und wie bereitet man sich auf so ein Unterfangen vor?

Viele Fragen.

Der Pol der Unzugänglichkeit liegt in der Provinz Xinjiang. Der bekannten Unruhe-Provinz von China. Wo Aufständige Uiguren mehrere Han-Chinesen abgeschlachtet haben. Und die chinesische Regierung besonders strenge Sicherheitsauflagen erlassen hat.

Dorthin kommt man von Europa aber nur indem man durch die ganzen Stan-Staaten reist. Die bekannt für Ihre Korruption sind. Und Ihre Verbrechen.

Die Vorbereitungen sind nicht einfach. Viel Unbekanntes. Vieles, was sich nicht schnell beantworten lässt. Und mit welchen Kosten muss man rechnen? Und wie finanziert man das alles?

Aber das ist eine andere Geschichte.

© Philipe Reinisch