Genießen!

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Genießen! | story.one

Magst du das, was du tust? Oder tust du es nur, weil du dir davon in Zukunft etwas erhoffst? Geld? Anerkennung? Berühmtheit? Kannst du den Weg genießen? Oder schielst du nur aufs Ziel und hoffst, dass das Erreichen desselben, dich für alles an Anstrengung, Abstrichen oder Ärger entschädigen wird? Zum ersten Mal im Leben hatte ich einen solchen Gedankengang an der Uni. Der Abschluss, dachte ich mir, der würde zum glorreichen Moment für mich und mein Leben werden. Wenn ich dann ins Ziel einlaufe, die Hände nach oben reiße und allen zurufe: I did it! Unangenehmerweise war das Studium selbst das mit dem Ziel verbundene, notwendige Übel. Und tatsächlich, ich lief ins Ziel ein und es war fantastisch. Es hielt sogar wenige Wochen. Bis nach und nach ein Gedanke in mir reifte: Ich stehe wieder am Anfang. Und so suchte ich mir mein nächstes Ziel. Und wieder. Und wieder. Mal war es Karriere, mal war es ein Auto, mal war es mehr Mitarbeiter, mal mehr Umsatz und einmal einfach nur ein paar Nullen am Konto. So kam ich nach und nach zu zwei für mich wertvollen Erkenntnissen. Erstens: Wenn du drauf und dran bist, dein Ziel zu erreichen, sorge besser dafür, dass du rasch ein neues hast! Ansonsten wartet nach dem steilen Aufstieg ein Tal der Ernüchterung auf dich. Zweitens: Nicht das Erreichen eines Ziels beschert dir dauerhafte Erfüllung, vielmehr ist es das Verfolgen deiner Ziele, verbunden mit dem Genuss, den du am Weg empfindest. Wenn du ihn denn empfindest.

Der gute Steve Jobs hat mal auf die Frage, warum es denn so wichtig sei, dass man für seine Sache brennt, gesagt: Weil man’s sonst nicht aushält. Da ist was Wahres dran. Hast du Freude an dem, was du tust? Gibt es dir Kraft oder kostet es dir Energie? Würdest du es auch tun, wenn Geld und Anerkennung keine Rolle spielen würden? Wenn ja, dann genieße! Denn, wer’s für den Applaus macht, erlebt am Ende vielleicht eine große Enttäuschung.

Jemand „sein“ zu wollen, ist eine einfache Übung. Jemand „werden“ zu wollen, das ist der harte Weg. Klar, viele junge Menschen wären gerne Mark Zuckerberg, Jessica Alba oder ein anderes Startup-Rolemodel. Milliarden am Konto, die Welt zu Füßen. So jemand „sein“ zu wollen, ist keine Kunst. Aber wer ist bereit, dazu zu „werden“? Wer hätte mit Mark Zuckerberg getauscht, als er noch nicht der war, der er heute ist? Als er noch in seinem versifften Uni-WG-Zimmer vor sich hin programmierte, zwischen alten Bierdosen und Essensresten, einfach nur weil’s Spaß machte. Wer wollte damals er „sein“? Ob Lady Gaga auch schon gerne gesungen hat, als sie noch Stefanie hieß und in kleinen Clubs auftrat? Ob Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling schon gerne schrieb, als sich noch keiner für ihre Bücher interessierte? Du hast den Gedanken. Es ist die Freude am Tun, die Gnade, seiner eigenen Leidenschaft folgen zu dürfen, die Lust am Lernen, am Wachsen und am sich Entwickeln - das ist es, was uns die wahre Erfüllung beschert. Das Erreichen der Ziele selbst ist nur die Kirsche obendrauf. Also genieße den Weg!

© Philipp Maderthaner 29.08.2019