London Love

Das erste Mal war ich in London, als meine beste Freundin und ich uns als Teenager in ein Abenteuer stürzten: Eine Flugreise, und nur wir zwei! Wir eroberten uns aufgeregt die Sehenswürdigkeiten der Stadt und übernachteten in einer Jugendherberge: Schlafsaal, Dusche am Gang, egal, wir fühlten uns frei und ziemlich cool.

Später verbrachte sie dann ein ganzes Jahr in London und ich besuchte sie natürlich. Sie wohnte in einem heruntergekommenen WG-Zimmer, Dusche am Gang, egal, sie fühlte sich frei und ziemlich cool. Untertags zeigte sie mir "ihre" Stadt und abends tranken wir Gin Tonic in dem Pub, in dem sie jobbte. Ich war so beeindruckt, und natürlich ein bisschen neidisch. Am Tag meiner Abreise wollte sie mich zum Flughafen begleiten, wir übersahen die Zeit und ich verpasste den Flug. In einer Zeit, in der es noch kein Handy gab, hatte ich zu tun, meinen Vater rechtzeitig telefonisch zu erreichen, bevor er zum Flughafen fuhr, um mich abzuholen. Er war unglaublich sauer. Ich war sehr verzweifelt, aber meine Freundin behielt einen kühlen Kopf und checkte mir einen Platz im ersten Flieger des nächsten Tages. Wir fuhren zurück ins Pub und tranken Gin Tonic. Dann schlenderten wir noch einmal gemeinsam durch das nächtliche London. Als wir über die Tower Bridge spazierten kam ein Wind auf und mir war, als säuselte er mir „bis zum nächsten Mal“ ins Ohr.

Das nächste Mal gehörte die Stadt mir ganz allein. Ich war mit meinem Freund gerade erst in den Norden Londons gezogen. Er studierte, ich war auf Jobsuche und hatte viel Zeit. Ich buchte aufgeregt ein Busticket und verbrachte einen ganzen Tag in meiner Lieblingsstadt. Ich fühlte mich frei und ziemlich cool, schlenderte herum wie eine Touristin, aber mit dem herrlichen Gefühl, keine zu sein. Ich konnte ja am nächsten Tag wiederkommen. Oder am übernächsten, wann immer mir danach war. Dachte ich. Denn ich hatte nicht damit gerechnet, bald von meinem Freund verlassen zu werden. Ich war nun frei aber fühlte mich ziemlich uncool, wollte nur noch weg von der Insel. Aber vor meiner Abreise machte ich noch einen letzten Ausflug nach London. An diesem Tag interessierten mich keine Sehenswürdigkeiten, ich wollte nur die Stadt selbst, die Atmosphäre inhalieren, in meinem Herzen abspeichern und gebührend Abschied nehmen. Ich ließ mich stundenlang treiben. Auch wenn mein Auslandsabenteuer schneller als geplant endete, London sollte mich damit versöhnen. Und die Stadt ließ mich nicht im Stich, ich verließ sie getröstet und mit dem guten Gefühl, dass ich auf jeden Fall wiederkommen würde.

Das tat ich, mit meinem jetzigen Mann. Wir kamen im Wonnemonat Mai, die Stadt trug ihr schönstes Frühjahrskleid und wir holten uns sogar einen Sonnenbrand. Das ist jetzt fast 15 Jahre her und seither warte ich auf das nächste Mal in „meiner“ Stadt. London, my Love, ich werde Dich wieder besuchen! Mein Sohn hat schon einmal ein Bilderbuch mit Geschichten über Dich von mir bekommen….

© Philippa